KAY SAFONOV

七転び八起き – Fall seven times and stand up eight

STRAYS: Kapitel 03

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Finley

„Hmm, wie läuft es mit deinem Meister?“ wollte Kimi von mir wissen, während ich seinen Hals entlang küsste. Ich summte und fuhr mit einer Hand unter sein Oberteil, „läuft gut“, raunte ich, „habe es endlich alles zum laufen gebracht mit der Schule und dem BaFöG. Arne denkt, ich könnte es in einem Jahr schaffen“. Von meinem Platz auf seinem Schoß, blickte ich auf Kimi herab, „und bei dir?“ fragte ich ihn und half ihm aus seinem Oberteil, „wie war deine Woche?“

Während ich mich wieder daran machte, seinen Hals in verschiedenste Rottöne zu küssen, erzählte er mir von seiner Woche und fand schließlich den Verschluss meines BHs. Genau in diesem Augenblick klingelte mein Telefon.

„Fuck“, sagte ich nur und setzte mich auf, „da muss ich ran. Es ist zwei Uhr nachts“, seufzte ich und griff nach meinem Handy, dass neben uns auf dem Sofa lag. Kimi nickte und küsste mein Schlüsselbein, während ich den Anruf abnahm. Anrufe um zwei Uhr nachts bedeuteten immer Ärger.

„Chiara? Bist du wach? Hilfe, ich brauche dringend deine Hilfe!“ schluchzte Finley am anderen Ende. Er klang als würde er weinen.

„Babe, was ist los? Kannst du mir sagen, wo du bist?“ fragte ich und Kimi blickte besorgt zu mir auf. Er konnte sicherlich das Gespräch mit anhören, immerhin war es absolut still im Raum.

„Fuck, ich weiß nicht. In der Nähe von Killians Wohnung. Ich brauche deine Hilfe, ich bin verletzt“, brachte Finley schließlich heraus, „bitte, ich brauche dich. Ich kann keinen Arzt rufen“.

„OK, es ist in Ordnung, Kleiner. Ich mache mich sofort auf den Weg, schick mir deinen Standort auf WhatsApp“, antwortete ich ihm und er bat mich noch einmal schluchzend, „bitte ruf keinen Arzt“.

„Ich muss sofort los“, sagte ich und sprang regelrecht von Kimis Schoß und zog mir hastig meine Klamotten wieder über. Kimi tat es mir gleich, „ich komme mit, wenn er verletzt ist, werdet ihr meine Hilfe vielleicht brauchen“. Kurz legte ich eine Hand auf seine Wange und küsste ihn, bevor ich „Danke“ hauchte und mit ihm nach draußen stürzte. Ich drückte Kimi mein Handy in die Hand und gab ihm die Aufgabe mich zu Finley zu lotsen.

Zum Glück waren die Straßen so spät in der Nacht frei und wir fanden Finley schnell. Zusammengekauert saß er in einer Seitenstraße und umarmte seinen Bauch. Sofort waren wir an seiner Seite.

„Finley, hey, Finley“, sagte ich panisch und Finley blickte mit müden Augen zu mir auf.

„Danke, dass du gekommen bist“, flüsterte er, dann machte er seine Beine lang und nahm für einen Moment seine Hände von seinem Magen. Sofort sahen wir sein mit Blut durchtränktes Oberteil. Fuck. Er hatte schon immer diese Angewohnheit gehabt, sich in jeden Straßenkampf zu werfen. Er zog sie regelrecht an. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass Kimi einen Erste-Hilfe-Koffer mitgenommen hatte, doch nun öffnete er ihn und wir halfen Finley, sich auf den Rücken zu legen. Ich hielt seinen Kopf in meinem Schoß, während sich Kimi daran machte, den Jungen zu versorgen.

Beruhigend fuhr ich durch Finleys Haar, „hey, es ist OK, Liebling. Kannst du mir erzählen was passiert ist?“ fragte ich ihn und strich ihm über seine Wange.

„Fuck. Ja, ich schwöre Chiara, dass es nicht meine Schuld war“, sagte er und stöhnte vor Schmerz. Ich griff nach seiner Hand und ermutigte ihn dazu, sie so fest zu drücken, wie er wollte.

„Ah… Killian… Es war wegen Killian“, begann Finley erneut und drückte meine Hand, während er sein Gesicht verzog, „scheiße, Basti, dieses Arschloch!“

Ein ungutes Gefühl machte sich in mir breit, „was hat er getan?“ fragte ich ruhig.

„Ich hab ihn zur Rede gestellt, weil Killian schon wieder von oben bis unten blau war…“, sagte Finley nach ein paar Minuten in denen er die Zähne zusammen bis, „er hat ein Messer raus geholt“, brachte er schließlich heraus und ich schaute zu Kimi. Er blickte zu mir auf und nickte, „es ist eine Stichwunde“.

Ich versuchte ruhig zu bleiben und strich weiter durch Finleys Haar, sagte aber erst mal nichts mehr. Bastian. Dieses verdammte Arschloch. Genug war genug. Killians Gefühle waren von nun an egal. Sobald wir Finley verarztet hatten, hatte ich vor die Polizei zu rufen oder meinen Schwur wahr werden zu lassen und Bastian häuten.

Es dauerte nicht mehr lange und Kimi war fertig. Finleys Gesicht war leichenblass in meinem Schoß und er hatte erschöpft seine Augen geschlossen. OK. Vielleicht hatte Bastian jetzt doch keine Priorität.

„Finley, ich nehme dich mit nach Hause, in Ordnung? Du wohnst doch alleine, da kann niemand auf dich aufpassen“, sagte ich schließlich und Finley nickte nur. Kimi und ich tauschten einen Blick aus und ich stellte die beiden einander vor: „Finley, das ist übrigens Kimi Räikkönen. Kimi, das ist Finley, mein Jüngster“. Dann trugen wir Finley zum Wagen. Wir legten ihn auf den Rücksitz und während ich uns zu mir fuhr, hielt Kimi meine Hand. Es war ein seltsames Gefühl, dass sich deswegen in mir breit machte, aber kein Schlechtes. Wir halfen Finley nach oben und platzierten ihn auf meinem Sofa und als Kimi sich verabschieden wollte, griff ich nach seiner Hand.

„Es ist spät, bleib doch heute Nacht. Dann bekommst du noch ein paar Stunden Ruhe“, sagte ich ihm und blickte unschlüssig zu Boden.

„OK“, antwortete er nur und trat einen Schritt zu mir, bevor er meine Stirn küsste. Wir machten es Finley möglichste bequem auf dem Sofa und zwangen ihn, soviel Wasser wie möglich zu trinken, bevor ich Kimi in mein Schlafzimmer führte. Es war seltsam sich wieder in mein Bett zu legen. Seit ich aus der Klinik entlassen wurde, hatte ich kein einziges Mal darin geschlafen. Doch Kimi legte einen Arm um mich und zog mich zu sich und ich lehnte mich zu ihm herauf um ihn zu küssen und irgendwann schliefen wir ein.

Am nächsten Morgen, verabschiedete ich mich von Kimi und zog eine einzelne dunkle, rosafarbene Rose aus dem Strauß, der auf meinem Couchtisch stand um sie ihm zu geben.

„Google die Bedeutung“, sagte ich ihm und lehnte mich herauf um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben, „und Danke, dass du für mich und den Kleinen da warst“.

Kimi lächelte und hielt die Rose nah an sich, „immer doch. Bis bald, Chiara“.

Finley und ich frühstückten zusammen und ich nahm mir vor, mit ihm zu sprechen noch bevor ich auf Arbeit musste. Ich schob also mein Müsli bei Seite und blickte über den Tisch hinweg zu ihm.

„Finley“, begann ich, „warum wolltest du nicht, dass wir einen Arzt rufen? Und warum weiß niemand von uns, wo genau du wohnst? Du kannst und du musst jetzt vollkommen offen mit mir sein“.

Finley schluckte und rührte weiter in seinem Müsli ohne mich anzusehen, dann seufzte er und sagte: „du weißt, dass ich von zuhause abgehauen bin?“

Ich nickte. Es war kein Geheimnis. Doch ich hatte mir nie Gedanken deswegen gemacht, den Finley war schon volljährig, als er bei uns ankam.

„Das ist vier Jahre her. Da war ich sechzehn“, sagte er schließlich und ich ahnte, auf was das Ganze hinaus lief.

„Meine Eltern haben mich als vermisst gemeldet und nach einem halben Jahr, wurde ich für tot erklärt. Niemand suchte mehr nach mir“, erklärte er, „aber ich durfte trotzdem nicht auffallen. Ich habe keine aktuellen Papiere. Keinen Ausweis, keine Krankenversicherung. Deswegen wollte ich nicht, dass ihr einen Arzt ruft“.

„Wieso hast du nichts gesagt?“

„Ich hatte Angst“, antwortete er mit zittriger Stimme, „ich hatte so sehr Angst, dass ihr die Polizei ruft… dass ich wieder zurück muss“. Ich stand auf und ging zu Finley um ihn in den Arm zu nehmen.

„Wir würden dich niemals wieder dorthin zurück schicken“, sagte ich ihm und er griff nach meinem Arm und begann zu weinen, „das weiß ich auch. Das weiß ich auch, aber ich hatte trotzdem solche Angst“.

„Wo wohnst du, Finley? Lebst du auf der Straße?“ wollte ich daraufhin von ihm wissen. Er schüttelte den Kopf.

„In dem Laden, in dem ich arbeite. Die Besitzer waren auch lange auf der Flucht, deswegen verstehen sie mich. Ich arbeite schwarz bei ihnen und darf auf einem Futon im Hinterzimmer des Ladens schlafen“.

Gut, das war zumindest ein Anfang.

„Ich werde bei ihnen anrufen, OK? Um ihnen zu sagen, dass du ein paar Tage nicht auf Arbeit kommen kannst und dass du von jetzt an bei mir wohnst“, sagte ich schließlich.

„Ah, Chiara, das musst du nicht. Es ist in Ordnung, wirklich. Ich habe ein Futon“. Finley schüttelte vehement den Kopf und ich seufzte. Warum konnten sie alle so schlecht damit umgehen, wenn ihnen jemand Hilfe anbot? Natürlich kannte ich die Antwort auf diese Frage, doch das bedeutete nicht, dass es mich nicht trotzdem frustrierte.

„Finley, ein Futon ist kein Zuhause“, sagte ich sanft und küsste seine Kopfspitze, „bitte bleib hier, du tust mir damit einen gewaltigen Gefallen. Sonst würde ich mir nur die ganze Zeit Sorgen machen“.

Finley atmete tief aus, „ich zahle auch Miete und du kannst mich jederzeit raus werfen und wirklich, du musst dir keine Sorgen machen, ich komme schon klar“.

„Ah, du musst keine Miete zahlen. Scheiße, ähm, du kannst im Haushalt helfen! Ja, genau! Du kannst aufpassen, dass ich immer meine Tabletten nehme und hier für Ordnung sorgen, du weißt doch wie ich drauf bin. Wasch Wäsche und koch und so etwas“, schlug ich ihm vor und er lachte letztendlich, „gut, das bekomme ich hin“, verkündete er schließlich und ich atmete erleichtert aus. Damit war der erste Teil geklärt. Ich rief bei seinem Chef an und erklärte ihm die Situation. Er hatte volles Verständnis und wünschte Finley gute Besserung. Dann legte ich den Kleinen wieder auf das Sofa und schaute noch einmal nach der Wunde. Kimi hatte ordentliche Arbeit geleistet. In ein paar Tagen mussten wir die Fäden ziehen, doch dann würde sie gut verheilen. Eine Narbe würde natürlich bleiben.

Eine halbe Stunde später, saß ich mit Arne auf dem Bürgersteig vor dem Laden und rauchte. Ich entschied mich dazu ihn um Rat zu bitten, denn ich war mit der gesamten Situation überfordert.

„Eigentlich solltet ihr wirklich Anzeige erstatten, aber dann würde die Sache mit Finley rauskommen und Killian hätte sicher auch was dagegen, wenn sein heißgeliebter Basti im Knast landen würde“, sagte er und nahm einen tiefen Zug, „kann sich der Typ aus deinem Deutsch-Kurs nicht einfach drum kümmern?“

Ich schnaufte, „du weißt, ich mache solche Dinge nicht mehr. Auch wenn ich drüber nachgedacht habe. Wir könnten für Finley gefälschte Papiere auftreiben“.

„Könnten wir, kleine Biene, aber wir beide machen solche Dinge ja nicht mehr. Was ist Finley bei seinen Eltern passiert, dass er solche Angst hat, zurück zu müssen?“ erwiderte Arne.

„Das wüsste ich auch gerne. Häusliche Gewalt, würde ich sagen. Manipulation. Psychischer Missbrauch. Er zeigt viele Anzeichen dafür. Sollte er an die Polizei geraten, würden die natürlich seine Eltern verständigen und da Eltern Unterhaltspflicht haben, müsste er zurück“.

„Und wenn er seine Eltern anzeigt? Zeugenschutzprogramm oder so?“

Ich schwieg für einen Augenblick und konzentrierte mich nur auf das Brennen in meiner Kehle, dann sagte ich: „wäre eine Idee. Ich muss mich darüber schlau machen und ich muss mich um Bastian kümmern“.

Damit war das Gespräch beendet und wir machten uns ans Tagesgeschäft.

Wie immer beruhigte es mich ungemein mit den Pflanzen zu arbeiten und ich hatte den ganzen Tag Zeit, um über alles nachzudenken. Ein paar unserer Stammkunden kamen vorbei um mir ihre kranken Pflanzen anzuvertrauen. Ich hatte mittlerweile schon einen Ruf in der Stadt, als Pflanzenarzt. Selbst die kränksten Pflanzen konnte ich wieder zu neuem Leben erwecken. Es war das Talent, dass dafür sorgte, dass wir niemals Kunden verloren. Sowieso lief Konsum Floristik verdammt gut und Arne und ich waren das beste Team. Wir liebten diese Arbeit. Oh ja, es war tausend mal besser als unser Leben davor. Wir verdankten das Alles Arnes Eltern und ihrer unendlichen Liebe. Die Erinnerung an sie gab mir einen Schub neue Kraft um mich auf die Probleme in meiner Familie zu kümmern.

Dieses Mal wartete ich nicht vor Killians und Bastians Wohnung. Ich wartete hinter dem Supermarkt in dem Killian arbeitete, dort wo die Angestellten heraus kamen, wenn sie mit ihrer Schicht fertig waren. Ich wusste nicht wie lange er heute arbeiten würde, also nahm ich mir meinen MP3-Player, schloss meine Augen und ließ mich in die Musik fallen. Hip Hop. Ich mochte Hip Hop sehr. Ein starker Beat, an den sich mein Herzschlag augenblicklich anpasste. Aber auch ein Piano und ich hob mein Finger und spielte auf unsichtbaren Tasten in der Luft. Dann natürlich der Rap. Brutal. Ehrlich. Ohne Beschönigung. Killian nannte es immer die Musik der Underdogs. Er hatte recht.

Ich öffnete meine Augen als jemand nach meiner Schulter griff und packte meinen Player wieder ein.

„Hey, Liebster“, begrüßte ich ihn und schloss ihn in meine Arme. Killian erwiderte die Umarmung, doch ich spürte wie er für den Hauch eine Sekunde zusammenzuckte, als meine Hände über seine Rippen strichen.

„Hey, Liebste“, antwortete er mir und vergrub sein Gesicht in meiner Schulter. Für ein paar Minuten standen wir einfach so hinter dem Supermarkt und umarmten uns. Er musste wissen, dass etwas nicht stimmte. Es fühlte sich an wie eine Entschuldigung.

Wir entfernten uns nicht weit vom Supermarkt und setzten uns in einen kleinen Park an einen Springbrunnen. Wortlos reiche ich Killian ein Bier und zündete mir selbst eine Zigarette.

„Finley hat sich nie wirklich von dir nach Hause bringen lassen, oder?“ fragte ich ihn schließlich und Killian erschauderte.

Er schaute mich mit schuldbewussten Blick an, „nein“, hauchte her, „hat er nicht…“.

Ich legte eine Hand auf seine Schulter, „wir haben uns alle von ihm täuschen lassen, wir haben es alle nicht hinterfragt“, antwortete ich ihm, „Finley schläft auf einem Futon im Hinterzimmer von dem Laden in dem er arbeitet“.

„Fuck“, stoß er aus, „fuck“, wiederholte er noch einmal sanfter.

„Jetzt nicht mehr. Er schläft jetzt auf meiner Couch“.

Killian schaute zu mir und ich erwiderte seinen Blick um seinem Gesicht alle Geheimnisse abzulesen. Er war unrasiert, hatte Augenringe. Seine Augen selbst waren stark gerötet.

„Erst Elly und jetzt… Fuck, ich hätte mich mehr um ihn bemühen müssen, Chi, ich hätte härter durchgreifen müssen…“,sagte er und vergrub sein Gesicht ein weiteres Mal in meiner Schulter, „ich wollte nicht, dass alles wieder an dir hängen bleibt. Ich wollte mich um sie alle kümmern, ich habe es dir versprochen“.

Vorsichtig strich ich über seinen Rücken, „Kill, es ist in Ordnung. Das ist es wirklich. Finley wohnt jetzt bei mir, er hat ein Zuhause und Kill…“, sagte ich ihm, „ich brauche dich jetzt. Ich brauche dich jetzt, damit du dich um dich selbst kümmerst“, ich nahm ihn bei den Schultern und drückte ihn fort von mir, damit ich ihm wieder in die Augen sehen kann.

„Ich werde dich jetzt nach Hause fahren und mit nach oben kommen und dann wirst du deine Sachen packen und auch mit zu mir kommen“, Killian wollte schon etwas erwidern, doch ich ließ kein Argument zu, „Bastian ist gestern Abend mit einem Messer auf Finley zu und hat ihn verletzt, weil Finley ihn zur Rede gestellt hat. Egal wie, ich werde dafür Sorgen, dass du nicht mehr zu ihm zurück gehst“.

Nach all den Monaten in denen ich gegen Killian angekämpft hatte und ihn wieder und wieder verarzten musste, mit ansehen musste, wie er wieder und wieder zu Bastian zurück ging, weinte ich still, als Killian neben mir im Wagen saß, mit einem Rucksack im Arm und endlich fort von diesem Scheusal. Als wir schließlich in meiner Wohnung ankamen, sahen sich Finley und Killian beide mit großen Augen an, schlossen sich in die Arme und begannen ebenfalls zu weinen.

Ich lehnte mich an die Wohnungstür und atmete tief durch, während ich sie beobachtete. Nach ein paar Minuten ging ich dann zur Küchenzeile, öffnete meinen Kühlschrank und begann erstmal zu kochen und nachzudenken. Ich hatte ein kleines Badezimmer mit einer Badewanne. Waschmaschinen standen im Keller. Mein Wohnzimmer hatte eine Pantry-Küche und einen Mini-Backofen. Im Schlafzimmer stand ein großes Bett, in das wir sicher alle drei passen würden, aber ganz so einfach war das natürlich nicht. Wahrscheinlich würde Finley die Couch behalten, immerhin war er trotz allem wahnsinnig in Kill verknallt. Killian und ich würden uns sicherlich im Bett arrangieren können. Wäre nicht das erste Mal. Während die Kartoffeln kochten, schickte ich Arne eine kurze Nachricht:

weißt du wann wieder sperrmüll ist?

Einen Augenblick später kam die Antwort: in zwei wochen. Perfekt.

Die erste Woche verging erstaunlich gut. Finley hatte sich erholt und Kimi war vorbei gekommen um ihm die Fäden zu ziehen. Kaum war das erledigt, war der Kleine auch schon wieder auf Arbeit und jeden Abend holte ich Killian vom Supermarkt ab. Ich hatte wirklich Angst, dass er wieder zu Bastian zurück gehen würde, doch das tat er nicht. Sowieso schien ihm die Zeit getrennt dem Kerl gut zu tun. Er nahm sich viel Zeit um nachzudenken und wir nahmen uns viel Zeit ihm zu zeigen, dass wir ihn liebten.

Ohne das Finley es wusste, durchstöberte ich außerdem jede Nacht das Internet um mich zu informieren, wie ich ihm am besten helfen konnte. Nach einer Woche dann, war ich endlich sicher genug um Finley und Killian beim Abendessen um ihre Aufmerksamkeit zu bitten und ihnen meinen Vorschlag zu machen.

„Finley, ich habe entschieden doch mit dir zur Polizei zu gehen“, begann ich und als Finley sofort widersprechen wollte, hob ich eine Hand und fuhr fort, „lass es mich erst erklären, in Ordnung?“

Er nickte unsicher und ich atmete durch bevor ich sagte: „wir werden vor Gericht gehen und deine Eltern dazu zwingen auf dein Sorgerecht zu verzichten. Es wird sehr lange dauern und es wir aufwändig, aber es kann nicht sein, dass du keine gültigen Papiere hast und nicht krankenversichert bist. Was wenn du irgendwann wirklich krank wirst? Ich will es nicht riskieren“.

Killian musterte den Kleinen, der darüber nachdachte und schließlich nickte, „gut“, fuhr ich fort, „ich werde dich adoptieren“.

Die beiden blickten mit großen Augen zu mir.

„Du wirst was?“ fragte Finley leise.

„Ich werde dich adoptieren, damit du sozialen Rückhalt hast. Damit du dich familienversichern lassen kannst. Kleiner, ich liebe dich und ich will dass du ein Zukunft hast. Du könntest dann wieder zurück zur Schule und deinen Abschluss nachholen, vielleicht sogar irgendwann studieren. Es ist besser als dich ins Zeugenschutzprogramm oder so zu schicken. Ich lass nicht zu, dass deine Hände auch nur eins deiner Haare krümmen“.

Killian und Finley schwiegen und ich nickte nur und stand auf um das Geschirr wegzuräumen, „ich weiß es ist eine Menge. Denk drüber nach und lass mich wissen, was für eine Entscheidung du getroffen hast“, sagte ich noch, dann machte ich mich an den Aufwasch.

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