KAY SAFONOV

七転び八起き – Fall seven times and stand up eight

Die Leon-Ludwig-Mt-Fuji-Tour 2018

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Ein paar Wochen bevor es für mich wieder nach Japan ging, dieses Mal um in Shizuoka-Stadt eine Praktikumsstelle anzutreten, musste ich mich wieder entscheiden: soll ich den Fuji noch einmal bestiegen? Oder belasse ich es dabei?

Von Shizuoka-Stadt aus kann man den Fuji bei gutem Wetter jeden Tag sehen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Berg ebenfalls gut zu erreichen. Trotzdem; letztes Jahr hat seine Narben hinterlassen und dennoch kam in mir der Drang auf es noch einmal zu tun. Also habe ich bei Instagram herum gefragt, was meine Freunde und Follower dazu meinen. Dabei kam leider kein eindeutiges Ergebnis heraus bis mir schließlich Leon Ludwig aus der Schreib-Zunft schrieb, in der ich seit letztem Semester abhänge.

Beweisfoto

Und so kam es zu dem Namen Leon-Ludwig-Mt-Fuji-Tour 2018. Das ganze hat sich dann auch recht schnell in der Zunft herum gesprochen und mir wurde Kuchen versprochen, sollte ich auf der Spitze eine Flagge zeigen, auf der der Leons Name stand. Es ging also nicht mehr nur um meine Ehre sondern auch um Kuchen und wenn das kein guter Motivator ist, dann weiß ich auch nicht.

Der eigentliche Plan lautete: mit meinem Kollegen an Obon tagsüber die Gotemba-Route zu besteigen und uns dann gut ausschlafen. An Obon hatten wir nämlich von Samstag-Mittwoch frei, doch leider wurde daraus nichts, denn es regnete sehr viel. Da am letzten Wochenende dann jedoch gutes Wetter war und die Saison bald enden würden, entschied ich mich spontan am Wochenende allein auf den Fuji zu steigen. Es kommt jetzt ja auch schon wieder ein Taifun auf uns zu. Außerdem hatte ich mich wieder für das Bullet-Climbing entschieden, d.h. ohne große Pause die gesamte Strecke am Stück zurück zu legen. Ich wollte natürlich wieder den Sonnenaufgang sehen.

Samstag Nachmittag ging es dann los. Ich bin mit einer Regionalbahn vom Bahnhof Shizuoka zum Bahnhof von Fuji-Stadt gefahren (eine Strecke 580 Yen), nur um dann festzustellen, dass der Fuji-Bus nur unregelmäßig zur 5. Bergstation der Fujinomiya-Route fährt und ich den letzten schon verpasst hatte. Ich bin dann also erstmal 30 Minuten zum Shinkansen-Bahnhof Shin-Fuji gelaufen (weil es keine direkte Zugverbindung gibt), habe mir das Busticket gekauft (Hin- und Rückfahrt zusammen 3100 Yen) und schon ging es los.

Torii

Dieses Mal habe ich im Bus noch niemanden kennen gelernt, dem ich mich hätte anschließen können und also hörte ich die ganzen zwei Stunden Musik. Als wir gegen 19 Uhr an der fünften Bergstation ankamen, war es bereits stockfinster und da es eine wolkenlose Nacht war, bot sich uns die ganze Zeit über eine atemberaubende Aussicht auf Fuji-Stadt, Fujinomiya, Shizuoka-Stadt, die Halbinsel Izu und natürlich das Meer.

Bis zur sechsten Station war ich dann auch erstmal alleine unterwegs und das war in Ordnung, weil es die kürzeste Etappe von nur 20 Minuten Länge war. Dann habe ich mich schnell einer Gruppe bestehend aus Briten, Deutschen, Japanern und Austauschschülern aus Hong Kong angeschlossen. Zur neuen siebten Station brauchten wir 60 Minuten, zur eigentlichen siebten Station dann noch einmal 50 Minuten, zur achten Station 40 Minuten, zur neunten 30 Minuten, zur neun-punkt-fünften Station noch einmal 30 Minuten und von dort aus noch einmal 30 Minuten.

Das klingt von den Zeiten her doch eigentlich viel angenehmer als die Yoshida-Route vom letzten Jahr, bei der die kürzeste Etappe 60 Minuten war. Tatsächlich ist die Fujinomiya-Route von allen vier Wanderstrecken die Kürzeste und die fünfte Bergstation befindet höher gelegen als die der anderen Strecken, doch die Kürze bedeutete vor allen Dingen dass es verdammt steil war. Und ich meine wirklich verdammt steil. Es war eine Strecke die fast ausschließlich aus Kletterwegen bestand und nicht aus gemütlichen Wanderpfaden.

Land der aufgehenden Sonne

Natürlich hat meine Lunge da protestiert, doch ich war nicht allein. Lenard, genannt Lenny, aus Hong Kong, war ebenfalls nicht der Schnellste. Wir verloren bald unsere Gruppe aus den Augen, aber blieben bis zu Spitze zusammen und kämpften uns bis nach oben. Unsere Geschwindigkeit war wirklich ideal, denn während die anderen schon gegen 2 Uhr Nachts auf der Spitze ankamen und sich dann drei Stunden den Arsch abgefroren haben, kamen wir pünktlich 04:30 Uhr an, setzten uns hin, zückten die Kamera und die Sonne ging auf. Dieses Mal habe ich sogar nicht geweint! Ich war einfach nur überglücklich, euphorisch und stolz darauf, dass ich es geschafft hatte. Es war auf der Spitze deutlich wärmer als letztes Jahr, deswegen konnten wir dort auch eine Weile bleiben uns uns umschauen.

Squad Goals

Gegen 07:00 Uhr ging es dann wieder nach unten und der Abstieg sollte eigentlich vier Stunden dauern, doch wir kamen erst gegen 12:50 Uhr wieder an der fünften Bergstation an. Die Absteigenden nutzen bei der Fujinomiya-Route dieselbe Strecke wie die Heraufsteigenden und deswegen ist es sehr voll. Außerdem ist es teilweise extrem schwer gewesen denselben Weg wieder herunter zu klettern, den man vorher aufgestiegen ist. Auf dem Weg nach unten waren Lenny und ich dann nicht mehr allein, denn wir liefen zusammen mit seiner originalen Gruppe – nun war es ja kein Wettlauf gegen die Zeit mehr. Wir sind alle mindestens einmal hingefallen und haben uns verletzt – diese Strecke ist wirklich ein Zuckerschlecken.

Ich habe mir eigentlich nur das Handgelenk angeschlagen, doch etwas anderes geschah auf meinem Rücken, was ich erst zuhause begutachten konnte. Da die Luft auf der Spitze des Berges so dünn ist und es wirklich absolut wolkenlos war, verbrannte ich mir den Nacken und das trotz Sonnencreme, aber es nicht einfach nur ein Sonnenbrand sondern eine Sonnenvergiftung, also der Punkt, an dem es schon eine Verbrennung 1.-2. Grades ist. Ich stehe also nach dem langem Tag endlich unter der Dusche und habe Brandblasen im Nacken und auf der Schulter und denke mir nur so: shit.

Der Wanderstock 2018

Montag und Dienstag auf Arbeit zu gehen war reine Folter schon alleine wegen dem Muskelkater, aber es durfte auch kein direkten Sonnenlicht mehr auf die Verletzung fallen. Deswegen musste ich mich mit Klamotten bedecken, was wiederum weh tat. Inzwischen habe ich aus der Apotheke eine Creme die bei Verbrennungen hilft und trage einen kleinen Verband, weil es eklig ist und ich meinen Kollegen und den Kunden den Anblick ersparen möchte. Aber es wird schon wieder. Heute tut es gar nicht mehr so sehr weh.

Es war wieder eine große Herausforderung auf den Fuji zu steigen und da ich einer neuen Strecke folgte, blieb auch dieselbe Aufregung. Die Fujinomiya-Route ist im Schnitt billiger als die Yoshida-Route (Essen, Trinken, Toiletten, Übernachtungsmöglichkeiten etc.), aber sie ist auch um einiges steiler und anstrengender. Sollte ich es nächsten Sommer wieder nach Japan schaffen, dann nehme ich mir eine der anderen beiden, verbliebenen Routen vor: Subashiri und Gotemba.

 

Also… Wo ist mein Kuchen?

6 Kommentare

  1. Und ich werde es mitmachen, sollte es klappen! Ich bin so stolz auf dich!

  2. Kay, ich habe so Respekt vor dir…
    Dass du allein losziehst und solche Projekte angehst ist wirklich bewundernswert. Du bist Inspiration auf zwei Beinen. LY

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