KAY SAFONOV

七転び八起き – Fall seven times and stand up eight

2018年04月27日

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Schwebend über den Asphalt

Ich hatte dieses Gefühl vermisst.

Es war eines dieser Gefühle, von denen ich gar nicht wirklich realisiert hatte, dass ich es vermisst hatte. Von November an, waren es nur das Venlaflaxin und ich. Es nahm mir den Schmerz und Atmen wurde wieder leichter im selben Maße, während meine Gefühle allmählich abflachten und ehe ich es mich versah, fühlte ich nichts mehr.

Im Februar, in der Psychiatrie, setzten sie das Venlaflaxin schließlich ab und ich konnte mich nicht mehr kontrollieren. Ich heulte und mein Herz schmerzte so sehr, dass ich endlich begriff, wieso man wirklich an gebrochenen Herzen sterben konnte. Schließlich begann ich eine neue pharmazeutische Beziehung. Burpropion, Trazodon und Promethazin – wir sind ein unaufhaltsames Quartett.

Nun war es April, fast Mai, und endlich wieder angenehm warm draußen. Ich wohnte für zwei Wochen in einem kleinen Ort hinter Siegburg und hütete Katzen, ein Haus und ein Auto. Nachdem ich angekommen war, kochte ich mir etwas zu Essen und verbrachte eine Stunde mit den Katzen im Garten. Überall roch es nach dem blühenden Flieder, dessen Zeit endlich gekommen war und ich schloss meine Augen und fühlte für einen Augenblick nur die Sonne auf meiner Haut.

Am Abend fuhr ich mit dem Wagen nach Bonn zum Training und zum ersten mal, seit langer Zeit, scheute ich mich nicht davor, fürchtete ich mich nicht davor, zum Training zu gehen. Bisher waren Freitagabende immer mit aufkommender Panik verbunden. Ich machte mit, ich lachte und scherzte und dann schließlich machte ich mich wieder auf den Rückweg.

Und ich hatte dieses Gefühl vermisst.

Es war dunkel draußen und der Himmel war klar. Nachts zu fahren war natürlich ein ganz anderes Gefühlt. Besonders in Bonn. Tagsüber war Bonn Hektik und Stau und verzweifelter Kampf um den letzten Parkplatz, doch nachts… Nachts waren die Straßen fast gänzlich leer und die wenigen anderen Fahrer, fuhren viel entspannter als am Tag. Niemand war in Eile, die Woche war vorüber und ob wir in einer halben oder einer dreiviertel Stunde ankamen, machte keinen Unterschied, denn unsere Betten interessierte es nicht, an welchen Zeitplan wir uns hielten.

Meine Augen waren schon immer lichtempfindlich, doch es kam mir vor, als hätte sich dieser Zustand in den letzten Monaten verschlimmert. Wenn ich am Morgen das Haus verließ, schmerzten meine Augen und erst im Bus fühlte ich mich wieder wohler. Doch nachts auf der fast leeren Autobahn war diese Empfindlichkeit bedeutungslos. Alles sah irgendwie weich aus. Mein Wagen schwebte regelrecht über den Asphalt und auch die Lichter des entgegen kommenden Verkehrs, wirkten warm wie ein lächelndes Winken.

Verdammt, ich hatte dieses Gefühl vermisst.

Der Wagen und ich, wir wurden zu einem Geschöpf. Wir wechselten fließend Spuren, schalteten ohne Stocken und glitten voran. Die Zeit verging, ohne dass ich es wirklich realisierte und plötzlich fuhr ich bereits den Wagen in die Einfahrt. Einen Augenblick später, war der Wagen ruhig und kein Licht umgab mich mehr und ich atmete tief aus und lächelte ganz für mich allein im Auto sitzend. In all den Monaten der Depression, hatte ich tatsächlich vergessen, wie wichtig mir das Autofahren immer gewesen war und wie sehr ich es liebte und nun, da diese Liebe langsam wieder in mein Leben zurückkehrte, würde sicherlich auch die Liebe zum Leben wiederkehren.

2 Kommentare

  1. Ich wünsche dir vom ganzem Herzen und ich glaube daran, dass die Liebe zum Leben bald wiederkehren wird. Ich liebe dich.

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