KAY SAFONOV

七転び八起き – Fall seven times and stand up eight

November 2013

| Keine Kommentare

10. November

mini-November 005Nach gut 2 1/2 Monaten bei der Familie Nakajima bin ich am Freitag in mein Winterquartier zur Familie Kitazawa umgezogen! Wieso schon so früh, nach nicht einmal 3 Monaten? Die Antwort ist ganz einfach: Meine erste Gastfamilie hat in einem traditionellen japanischen Haus gelebt und so schön das auch anzusehen war, jetzt wo es kalt wird ist es nicht der ideale Ort für mich zu leben. Denn es war im Haus einfach immer kälter als draußen und ja…

Jetzt wohne ich also direkt im „Stadtzentrum” von Komagane, muss ein wenig weiter in die Schule laufen, bin aber sonst in der Nähe von allem. Ich habe wieder mein eigenes Zimmer und wohne jetzt in einer Wohnung die sich über zwei Etagen zieht. Hier in der Wohnung wohnen meine Gasteltern und meine Gastschwester Manami und neben in einem traditionellen japanischem Haus wohnt noch mein Gastgroßvater. Ein ganz lieber, schon sehr alter Mann der zum Essen mit rauf kommt, aber sonst unten in seiner Wohnung ist.

Während ich also der Meinung war das man schon die Kochkünste meiner ersten Gastmutter nicht übertreffen konnte, wurde ich jetzt anders belehrt: Das Essen hier ist der Hammer! Mein Zimmer ist auch richtig toll. Mein Bett vor allen Dingen: Mein Bettbezug ist so weich, man möchte nicht einschlafen, weil man ja dann das Weiche nicht spürt. Und mein Schreibtisch hat richtig Stil mit einer antiken Uhr, Federkiel und Tinte und einem Kerzenständer und dieses Mal habe ich sogar einen Schrank! Ein Privileg das nicht viele Austauschschüler in Japan haben.

Der Abschied von meiner ersten Gastfamilie war… nun ja… in Japan schüttelt man sich nicht die Hände und eine Umarmung wäre eine Todsünde gewesen, also war es echt seltsam. Aber doch, schätze ich, ein gelungener Abschied. Ich bin meiner ersten Gastfamilie ja jetzt nicht unbedingt nahe gekommen, weil sie sehr viel gearbeitet haben. Das schlimmste an der ganzen Sache war das Koffer packen und vor allem die Realisation das ich schon jetzt so viel Übergepäck habe, das ich wohl nicht mehr nach Deutschland zurück kommen kann: Tut mir Leid Leute, aber wird wohl nichts und Pakete nach Deutschland schicken ist vom Preis her auch ein Ding der Unmöglichkeit. Schon für ein 200 g Päckchen habe ich 10 € bezahlt…

mini-November 007Mit meiner neuen Gastfamilie komme ich schon jetzt richtig gut zu Recht, sie lassen mich im Haushalt helfen und nach dem Abendessen und nach dem Frühstück sitzen wir lange zusammen und erzählen und lachen. Am Freitag kam dann gleich mal der letzte Harry Potter Film im Fernsehen, den ich dann zusammen mit meiner Gastmutter geschaut habe. Sie ist auch ein großer Harry Potter Fan und hat auch alle Bücher gelesen und mit mir zusammen gleich mal geweint als Snapes Erinnerungen gezeigt wurden…

Gestern dann habe ich mit Manami und meiner Gastmutter Iron Man geschaut und heute war ich mit meiner Gastmutter nach dem Mittagessen zum ersten Mal in der Bibliothek von Komagane. Sie will mit mir Lesen über und deswegen haben wir für mich ein paar Bücher von Grimms Märchen ausgeliehen, die ich auch schon lesen kann, weil sie für Kinder geschrieben sind. Danach habe ich mich heute außerdem mit Olga getroffen und zusammen mit ihr den Nachmittag verbracht.

Morgen geht es dann nach Tokyo! Überraschung! Meine Gastmutter muss geschäftlich nach Tokyo und da machen wir gleich einen Familienausflug draus und ratet mal wer morgen nicht in die Schule muss? Genau! Ich! Hahaha! Dafür muss ich dann aber auch um 3 Uhr aufstehen, aber hey, Tokyo!

Katias erstes Quartalsbericht

Bevor ich nach Japan geflogen bin, war ich glaube ich die einzige die nicht aufgeregt war. Ich konnte mir absolut nicht vorstellen was ein Jahr bedeutet und es war nicht das erste Mal das ich über längere Zeit von zu Hause weg war, auch ohne meine Eltern, Verwandtschaft oder Freunde. Außerdem hatte ich zu Hause gar keine Zeit aufgeregt zu sein, da hatte ich andere Probleme. Besondere Leistungsfeststellungen überstehen, Koffer packen, usw.

Die Aufregung kam erst bei der Passkontrolle am japanischen Flughafen Nagoya und ich dachte schon es wird eine komplette Panikattacke, aber dann wurde mein Pass kontrolliert, ich habe meine Koffer abgeholt und plötzlich stand ich vor zwei Herren mit einem Schild auf dem bunt „Katharina“ stand. Die folgenden vier Stunden Autofahrt habe ich kaum mitbekommen. Am ersten Tag 9100 km von zu Hause entfernt war ich einfach nur froh das ich simple Fragen verstehen und beantworten konnte. „Bist du hungrig?“ „Möchtest du auf die Toilette?“ „Bist du müde?“

Und plötzlich war ich da! In Komagane, der kleinsten Stadt in Japan. Wo man hinsieht: Berge. Wir sind hier eingekesselt von den Zentralen Japanischen Alpen und den Südlichen Japanischen Alpen. Es ist nicht schwer den Sinn für den Rest der Welt hier zu verlieren. Mal abgesehen davon das Japan eine Inselstaat ist, habe ich sowieso das Gefühl das hinter den Bergen die Welt endet. Egal in welche Richtung man blickt.

Leider hatte ich zu meiner ersten Gastfamilie noch absolut keinen Kontakt gehabt, durch Umstände die viel zu kompliziert sind um sie jetzt hier zu erklären. Trotzdem hatten wir ein gutes Zusammenleben in den folgenden 2 ½ Monaten. So gut es ging. Mittlerweile lebe ich schon seit einer Woche bei meiner zweiten Gastfamilie, denn es ist ja schon Ende Herbst und sehr kalt und im dem traditionellen japanischen Haus meiner ersten Gastfamilie war Innentemperatur gleich Außentemperatur. Das trifft übrigens auf fast alle Häuser hier zu und ganz besonders auf meine Schule.

In meinen ersten zwei Wochen hatte ich jeden Tag etwas zu tun: den Bürgermeister treffen, ein Pressetermin, die Schule besuchen, ins Einwohnermeldeamt gehen, etc. Während man in Tokyo oder anderen großen Städten als Ausländer kaum auffällt, ist man in Komagane gleich eine Berühmtheit. Es gibt hier wirklich kaum jemanden der nicht Japanisch aussieht. Und dann bin da ich, mit meiner Blässe und meinen grauen Augen. Am Anfang habe ich mich ein wenig gefühlt wie ein Freak, mittlerweile genieße ich die Aufmerksamkeit.

rye02In der dritten Woche ging es dann in die Schule und meine Phase der rosaroten Brille war auf einmal vorbei. Regulärer Unterricht ist von 8.50 Uhr bis 16 Uhr und danach erfreut man sich noch zwei Stunden an dem Club dem man beigetreten ist, in meinem Fall: Kunst Club. Ich bin also jeden Tag nicht vor halb Sieben zu Hause und dann ist der Tag sowieso vorbei, dann ist es dunkel (Straßenbeleuchtung ist hier nicht wirklich vorhanden) und es ist ja auch tagsüber nicht wirklich was los. Es ist irgendwie ironisch das die Schule hier das Schlimmste am Schüleraustausch ist. Meine Mitschüler waren in der Anfangszeit viel zu verschüchtert um mit mir zu reden, meine Lehrer (außer im Englischunterricht) haben mich sowieso nicht wahrgenommen (eigentlich nehmen sie ja keinen Schüler war, sie reden einfach ihr Blatt ab oder geben die Aufgabe und dann ist es egal das die Hälfte der Klasse schläft (!) oder etwas vollkommen anderes macht) und ich bin jeden Tag aufgestanden mit dem Wissen das ich wieder sinnlos in die Schule laufen muss nur um dort auf das Ende zu warten und mich zu langweilen. Ich bin mir übrigens im Klaren das alle meine ehemaligen Klassenkameraden aus Deutschland jetzt die Augen verdrehen, aber es ist wirklich der Horror jeden Tag über Stunden gelangweilt zu sein. Ist ja nicht so dass ich einen Fernseher oder meinen Computer mit in die Schule nehmen könnte.

Selbst das habe ich jetzt aber irgendwie hinbekommen. Sydney – unsere Assistenzenglischlehrerin aus den USA – gibt mir jetzt wöchentlich Englisch-Hausaufgaben (Kreatives Schreiben: 6 Seiten, Naturkatastrophe, 3 Hauptfiguren, eine davon behindert – du hast Zeit bis nächste Woche), ich schreibe wirklich intensiv Tagebuch, ich bringe mir Lesen auf Japanisch bei (bin dabei mittlerweile auf Grundschulniveau, kann also „Dornröschen“ lesen und sogar halbwegs verstehen) und irgendetwas findet sich schon jeden Tag, vor allen Dingen aber lese ich. Mein Kindle sei gesegnet, ich verfluche das Ding immer noch, weil es kein richtiges Buch ist, aber zum anderen hatte ich eben auch nur zwei Koffer mit je 23 kg…

Heimweh hatte ich bis jetzt noch nicht wirklich gehabt, an manchen trüben Tagen hatte ich bloß mal Ich-wäre-jetzt-gerne-woanders-Stimmung. Und den Kultur-Schock habe ich mir schlimmer vorgestellt, aber ich glaube ich hatte einfach nur Glück. Ich konnte schon vorher ein wenig Japanisch und habe mich ordentlich belesen. Das einzige was mich wirklich geschockt hat war die Kälte. Mittlerweile erfriere ich einfach tagtäglich in der Schule. Leider kann es sich meine Schule nämlich nur 10 Minuten am Tag leisten die Öfen anzumachen und dann muss es eben reichen für den Rest des Tages. Zum Glück ist die Frau in der Schülerbibliothek so nett und teilt den Lehrer-Ofen mit mir, der den ganzen Tag läuft und es gibt hier tolle Hitzepflaster die richtig gut wärmen und das Zimmer der Englischlehrer ist auch immer schön beheizt. In meinen Freistunden (ich habe Mathematik und Japanische Geschichte aufgegeben) verbringe ich meine Zeit also mit Sydney oder in der Bibliothek. Also an alle zukünftigen Austauschschüler in Japan: Rüstet euch für die Kälte!

In meinen ersten drei Monaten hier habe ich schon Berge bestiegen, hatte drei Treffen mit den anderen Austauschschülern (wir sind bloß sechs Austauschschüler im Distrikt, alles Mädchen), haben Taifune und Erdbeben erlebt, war letzten Montag in Tokyo mit meiner Gastfamilie, habe die zwei simplen japanischen Alphabete lesen gelernt, spreche mittlerweile schon gut, habe schon einmal die Gastfamilie gewechselt, hab mich erkältet, bin die Treppe runter gefallen, habe das beste Essen in meinem Leben gegessen und bin jetzt an dem Punkt im Schüleraustausch angekommen an dem man sagt: Ich glaube ich mag dieses Land.

Es ist am Anfang sehr schwer gewesen, weil wirklich niemand hier Englisch spricht und ich absolut keine Beziehungen hatte, aber mittlerweile läuft es ganz gut. Neben Sydney kenne ich außerdem noch zwei weitere Ausländer hier: Mercedes, deren Mann mehr oder weniger mein Rotary-Ansprechpartner ist und Olga, die zusammen mit Mercedes arbeitet und mir dabei hilft mein Russisch nicht zu vergessen. In meiner jetzigen Gastschwester habe ich meine beste Freundin hier gefunden und in der Schule, na ja, ich habe zumindest Menschen mit denen ich zusammen Mittag esse und Beschäftigung.

Am Donnerstag geht es dann auf zur ersten Rotary-Tour nach Kyoto, Osaka und Nara. Und Sonntagnacht komme ich wieder und habe dann gleich mal am Montag Examen in der Schule, was toll ist, weil ich nach den Englisch-Examen wieder gehen darf.

Im Augenblick geht es mir also richtig gut und ich freue mich darauf in der nächsten Phase meines Austauschjahres noch eine Menge zu sehen und zu lernen und zu essen. Japan ist glaube ich das einzige Austauschland in dem man trotz des ganzen Essens nicht zu nimmt. Mein Leben hier ist viel simpler geworden; überhaupt kein Stress, kein Leistungsdruck, keine Zukunftsängste und jeden Tag wenn ich aufwache sehe ich die schneebedeckten Alpen und frage mich ob es dahinter wirklich noch eine Welt gibt.

Kyoto-Osaka-Nara Tag 1

Abgesehen davon, dass ich am Montag vor zwei Wochen in Tokyo war, stand außerdem noch ein weiteres großes Ereignis an: Meine erste Reise mit Rotary. Vier Tage lang ging es durch Kyoto, Nara und Osaka und ich fange jetzt einfach mal mit “Tag 1: Kyoto” an. Dieses Mal war nicht nur unsere Rotary Distrikt Nagano am Start sondern auch der Rotary District Yamanashi/Shizuoka. Wir waren also zwölf Mädchen und ein sehr glücklicher französischer Junge. Edouard.

mini-021Am Donnerstag ging es für mich und die anderen schon sehr früh raus. Kurz nach halb vier hat mich Itou Masaki abgeholt und mich dann zur Bushaltestelle gebracht, an der ich aufgesammelt werden sollte, unterwegs haben wir dann noch wie üblich Tamara mit eingesammelt. Und dann ging es los: 10 Stunden Busfahrt, auf der wir die anderen Austauschschüler eingesammelt haben. Ist Japan wirklich so groß? Scheinbar! Es war aber nicht öde oder langweilig, wir hatten eine Menge Spaß und konnten uns alle schön kennen lernen und lieb gewinnen. Wir waren eine richtig tolle Gruppe. Niemand der irgendwie negativ heraus gestochen hat. Das war so awesome.

Irgendwann gegen 3 Uhr nachmittags sind wir dann schließlich in Kyoto angekommen. Unterwegs haben wir eine Menge Süßkram, Äpfel und Kaki gegessen, die uns unsere Rotary Menschen mitgebracht haben. Ich habe das Gefühl, dass ich die Hauptzeit mit Kaki essen verbracht habe. In Kyoto dann der erste Schock: Wärme. Damit habe ich echt nicht gerechnet, aber außerhalb von Nagano ist es tatsächlich noch warm zu dieser Jahreszeit, so ganz ohne Schnee und Arsch abfrieren. Nach dem ersten Schock war das allerdings eine schöne Abwechslung. In Kyoto waren wir dann in einem sehr traditionellen Viertel, in dem uns immer viel Japaner in Kimonos entgegen kamen und in dem wir sogar eine echt Maiko (eine Geisha in Lehre) gesehen haben. Dort ging es dann zum berühmtesten Tempel in Kyoto. Schaut euch die Bilder an! Die sprechen für sich. Ich möchte euch wirklich nicht mit Namen langweilen, die ich mir nicht merken kann.

mini-087Tabea und ich haben es gleich mal geschafft, uns illegal von der Gruppe zu trennen, haben uns dann aber später wieder gefunden. Zum Glück. Nachdem wir ordentlich Tempel-Tourismus getrieben haben, ging es dann zum Souvenir-Shoppen. Ich habe mir das niedlichste Geldtäschchen aller Zeiten gekauft: In Glückskatzenform. Ich habe sogar diese tollen Pferdemasken gefunden, die mittlerweile jeder zweite YouTuber hat, aber die waren leider zu teuer.

Abends waren wir dann doch alle schon sehr müde, aber nicht müde genug, um schlafen zu gehen! Unser Hotel war ein erstklassiges traditionelles japanisches Hotel. Es hat so einen Spaß gemacht! Für das Hotel gab es dann auch mal einen Yukata, den jeder anziehen konnte. Es war wie ein bequemer Bademantel, mit dem man legitim durch ein Fünf-Sterne-Hotel rennen durfte. Das Abendessen war massig und auch traditionell Japanisch. Was nicht unbedingt meinen Geschmack getroffen hat, aber es hat zumindest Spaß gemacht, es zu essen.

Nach dem Abendessen war unser Tag noch lange nicht vorbei! Dann ging es erst richtig los. Wegen meiner Erkältung hatte ich zwar meine Stimme schon fast verloren, aber beim zweistündigen Karaoke habe ich trotzdem noch mitgemacht und fröhlich „99 Luftballons” oder „Wind of Change” vor mich hin gesungen. Hätte ich wirklich nicht machen sollen, am nächsten Tag war meine Stimme im Arsch. Wirklich. Ich klang laut Beschreibung der anderen wie ein pädophilier alter Mann.

Nach dem Karaoke ging es für die meisten noch in die heiße Quelle und dann auch noch lange nicht ins Bett, aber mich hat es dann doch übermannt und ich bin in mein Bett gefallen und gestorben. Niemand konnte mich aufwecken. Auch nicht die Party die in unserem Zimmer gefeiert wurde. Dafür waren meine Augenringe am nächsten Tag minimal.

Kyoto-Osaka-Nara Tag 2

mini-999802_174880996051953_1539194605_nZum Glück war für mich, wie gesagt, die Nacht nicht allzu kurz. Den anderen hat das frühe aufstehen allerdings zu schaffen gemacht, besonders denen, die keine Gelegenheit bekommen haben, aufzustehen, weil sie nie ins Bett gegangen sind. Das Hotel war wirklich ein Traum; ich habe geschlafen wie ein Stein. Am nächsten Morgen hat Camille, mit der ich ein Zimmer geteilt habe, uns allen Mitbewohnern die Augen geschminkt. Ich habe keine Ahnung, wann ich mich das letzte Mal geschminkt habe. Mein Klamotten-Stil zurzeit ist eine Mischung aus: „Verdammt, ich bin spät dran!” und „Ich bin zu faul, um für euch schön zu werden”. Auf jeden Fall sehr ungewohnt, habe mir dauernd die Augen gerieben und dann zu spät realisiert, dass ich ja Schminke trage…

Zum Frühstück gab es Buffet, bei dem man sich auch westliches Essen aussuchen konnte. Das war meine Überraschung des Tages, die mich vor Freude in die Luft springen gelassen hat. Endlich mal wieder ein Ei mit Salz und ein Brötchen mit Butter und Salz. Ich mag das Essen in meiner neuen Gastfamilie zwar wirklich, es ist einfach der Hammer, aber es war schon wieder mal schön.

Dann ging es auf zum nächsten Tempel! Ryoanji, diesen Namen konnte ich mir sogar merken. Ryoanji ist nämlich der liebste japanische Tempel meiner Gastschwester. Und ich kann das total nachvollziehen. Es war so friedlich und es gab auch gar nicht so viele Touristen. Ich mochte es auch dort.

Nachdem wir uns diesen friedlichen Ort angesehen haben, ging es dann wieder zu einem mit Touristen überhäuften Ort – zum Goldenen Pavillon in Kyoto. Ich schätze, das ist das bekannteste Bauwerk in Japan. Und auch das kann ich nachvollziehen. Wieder kann ich eigentlich nur schreiben, dass die Bilder für sich sprechen. So ein Tempel aus Gold ist eben auch reiner Wahnsinn. Im positiven Sinne.

Zwischen unseren Tempelbesuchen haben wir wieder eine ganze Menge Zeit im Bus verbracht. Äpfel, Kaki und Süßes gegessen und wieder kein Geld für Mittagessen ausgegeben. Wir haben 1000 Yen (~7-8 €) bekommen für das Mittagessen, waren aber absolut nicht hungrig, außer nach Souveniren.

mini-215Zum Abschluss des Tages sind wir dann in ein Kimono-Kaufhaus gefahren. Dort haben wir uns erst einmal eine Modeschau angesehen und es war einfach so unglaublich schön! Und dann durften wir uns sogar selbst jeder einen Kimono aussuchen und ihn uns anziehen lassen. Es ist wirklich unmöglich, alleine in so ein Ding hinein zu kommen, man kann darin kaum atmen und die Oberweite verschwindet auch auf mysteriöse Weise, aber ES SIEHT VERDAMMT GUT AUS!

Mit unseren Kimonos durften wir dann eine Weile durch das Geschäft irren und Japaner verwirren (Ausländer in japanischen Klamotten!)

Nach diesem Erlebnis haben wir uns schließlich von Kyoto verabschiedet und sind weiter nach Nara gefahren. Im Nara Plaza Hotel haben wir dann unsere zweite Nacht verbracht und Leute, das war das geilste Hotel aller Zeiten. Nicht traditionell Japanisch wie das Erste, sondern Modern Japanisch. Ich liebe diesen Inneneinrichtungsstil und außerdem war es bestimmt ein Fünf-Sterne-Hotel. Abendessen gab es dieses Mal traditionell Japanisch. Der Nachtisch war gut.

Auch in der zweiten Nacht bin ich wieder mehr oder weniger ins Bett gefallen und gestorben, weil ich so müde war. Dieses Mal habe ich allerdings noch schön vorher mit Prayva gequatscht bis sie dann ins Bett gegangen ist und meine Mitbewohner immer noch nicht wieder da waren, habe ich eine schöne Dusche genommen und bin so schnell eingeschlafen, wie noch nie. Nur um dann um 2 geweckt zu werden, weil meine Mitbewohner doch noch aufgetaucht sind. Ich war so verwirrt. Ich dachte der nächste Tag wäre schon da.

Kyoto-Osaka-Nara Tag 3

mini-1479368_10202414143575500_61817669_nAn Tag 3 hatte ich zum Glück ein paar Mitbewohner, die gerne noch ein paar Minuten liegen geblieben sind früh. Gute Gelegenheit für mich, meine ganzen Sachen zu sortieren und noch einmal schön ins Bad zu gehen, bis es dann schließlich doch zum Frühstück ging.

Das Buffet des Tages hat mich noch einmal umgehauen, es war einfach der Wahnsinn! Noch besser als am vorigen Tag! Ich konnte mich kaum von losreißen, aber nun, es gab ja auch noch andere Ziele als Essen. Eine Fähigkeit, die ich erst als Austauschschüler völlig entwickelt habe, ist das Essen. Ich kann jetzt wirklich in Massen essen, bin nie wirklich satt und nie wirklich hungrig. In Japan nehme ich deswegen nicht zu, aber wenn es irgendwann mal wieder nach Deutschland geht, könnte das ein Problem werden…

Unser erstes Tagesziel war der Todai-Ji Tempel in Nara. Was mich daran umgehauen hat, war weniger der Tempel – auch wenn der auch gewaltig war – sondern die riesige Parkanlage um den Tempel herum. Dort sind nämlich tausend Rehe und Hirsche und Bambis frei herum getobt und hatten absolut keine Angst vor den Menschen. Man musste sich manchmal sogar eher vor ihnen in Acht nehmen. Sie sind sofort zu uns hingekommen und haben sich nach Essen erkundigt, haben meinen Mantel angeknabbert und sich streicheln lassen und auch gerne mal für ein Foto posiert. Es war ein gewaltiger Spaß! So etwas habe ich noch nicht erlebt. Manchmal wurde man schon fast von ihnen umgestoßen und beißen konnten sie auch – eine Erfahrung die uns zum Glück erspart blieb.

mini-1479479_10202414899674402_1782964490_nDann ging es natürlich noch in den Tempel. Dieses Mal ein Buddhistischer. Von Außen sah es so aus, als ob es Innen zwei Etagen gäbe. Aber! So war es nicht. Innen stand eine gewaltige 20 Meter hohe Buddha-Statue! Das hat mich erstmal umgehauen, denn damit habe ich absolut nicht gerechnet. Außerdem gab es Innen noch jede Menge Säulen und in einer wurde ein Loch gemacht, durch die Kinder (und kleine Menschleins wie ich) durchklettern konnte und dann wurden sie gesegnet. Als man uns das erklärt hat, musste ich mich natürlich einreihen und die Herausforderung annehmen! Als ich so mitten in der Säule gehangen habe, dachte ich, ich komme nicht mehr weiter, aber ich habe es doch geschafft!

Nach dem Mittagessen im Bus ging es dann weiter nach Osaka zu dem Teil der Reise, auf den wir alle gewartet haben! Universal Studios Japan – Wo Filme Wirklichkeit werden. Zurzeit bauen sie auch an “The Wizarding World of Harry Potter”, leider noch nicht fertig, aber man kann Hogwarts schon halb sehen. Im Mai wird es eröffnet und so wie es aussieht, könnte ich Glück haben, dass meine Gastfamilie mit mir dann noch einmal dorthin fährt.

mini-PB231653In Universal war ich unterwegs mit Tabea und der Amerikanerin Miranda und es hat eine gewaltige Menge Spaß gemacht, auch wenn wir letzten Endes nur drei Attraktionen geschafft haben. Die Menschenmenge war riesig. Wir haben uns also zu einer Mischung aus Live-Action-Show und 3D-Film von Terminator 2 durchgeschlagen, dort mussten wir ungefähr 40 Minuten für warten, aber es war echt awesome und das obwohl ich Terminator noch nie gesehen habe, die Handlung aber kenne. Die gesamte Attraktion an sich hat dann auch ungefähr 30 Minuten gedauert, das war so genial.

Danach ging es für uns zu Backdraft. Das kannte ich absolut nicht und es ging wohl um Feuer. Am Anfang hat man uns erklärt wie man solche Szenen in Filmen dreht und so weiter und plötzlich steht man auf einer Plattform mitten in einer brennenden Chemiefabrik. Feuer ist mein Schwachpunkt, aber es war doch richtig beeindruckend. Am Ende kippt dann auch noch mal die Plattform und es hat nach Benzin gerochen und die Hitze des Feuers war überall, also echt!

Das Letzte was wir dann geschafft haben und was mein definitives Ziel war – Jurassic Park. Während wir bei Backdraft und Terminator noch Glück hatten, mit unter einer Stunde Wartezeit, mussten wir dann bei Jurassic Park ganze 80 Minuten warten. Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffen könnte, aber all die sinnlosen, elend langen Schultage hier haben mich um einiges geduldiger gemacht und es war es so wert! Es war also ob man selbst im Jurassic Park ist und plötzlich geht alles schief und die Dinosaurier sind frei und acht, Gott! Das war ein Abenteuer!

Am Ende des Tages haben meine Füße einfach nur weh getan. Aus Universal raus und keine fünf Minuten zu Fuß entfernt war ein Hotel, in dem wir dann zum Abendbrot gewesen sind, dort gab es Buffet. Verdammt ich liebe Buffet. Es gab Alles und ich habe alles zumindest angeknabbert. Ich habe mich gefühlt wie Katniss auf Präsident Snows Party. Pizza, Schnitzel, Eiscrememaschine, Schokoladenbrunnen und so viel mehr. Da habe ich mich dann tatsächlich mal satt gefühlt.

Nach dem Essen sind Tabea und ich noch einmal kurz in die umlegenden Geschäfte gegangen, weil wir noch Zeit hatten und dann ging es auf in unser Hotel. Es war zwar nicht so luxuriös, aber jeder hatte sein eigenes Zimmer und ich habe alle so lieb gewonnen, aber an dem Tag habe ich noch mal ein bisschen mehr Ruhe gebraucht. So viel mit Menschen zusammen sein, rund um die Uhr – bin ich gar nicht mehr gewöhnt.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.