KAY SAFONOV

七転び八起き – Fall seven times and stand up eight

Mai 2014

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11. Mai

mini-019Hey,  Katia, dich gibt es ja auch noch! He, he, jaah… Erinnert ihr euch noch, wie ich geschrieben habe, dass ich hoffe, dass meine vierte Gastfamilie meine Letzte wird… Na ja, sagen wir einfach: da hat sich noch eine Menge getan. Aber ich hatte wirklich Glück, weil mir mein Counselor Herr Kegasawa und Herr Itou bei der Seite standen und binnen vier Tagen eine neue Gastfamilie für mich gefunden haben, zumindest vorübergehend.

 

Jetzt wohne ich bei der Familie Kubota, noch zwei Wochen, und dann geht es zurück zu meiner zweiten Gastfamilie. Ganz ehrlich, die Freude, noch einmal zu Manami zu ziehen, vermischt sich auch mit einem gewissen niederschlagenden Gefühl, dass sie sich die Umstände machen mussten, mich noch einmal aufzunehmen. Es ist in Japan wirklich nicht so, wie in Deutschland. Einen Austauschschüler aufzunehmen, das ist eine Bürde.

Egal, zu was anderem! Heute war ich mit meiner neuen Gastmutter beim Fußball! Und es war einfach nur genial! Unser Team war der FC Yamaga (Matsumoto) und nach Matsumoto sind wir dann auch gefahren. Gerade als wir das Stadium sehen, fängt meine Gastmutter plötzlich an zu lachen und sagt: „Ich habe die Tickets vergessen.” Ich dachte für einen Augenblick, es war ein Witz, aber Japaner reißen solche Witze nicht. Also ja, sie hatte tatsächlich die Tickets auf unserem Esstisch liegen gelassen. Umkehren war nicht mehr, da hat sie kurzerhand neue Tickets gekauft.

 

mini-image (1)Wir waren ungefähr 1 1/2 Stunden zu früh da, aber das hat absolut nichts gemacht, denn wir haben noch Mittagessen gegessen (fucking Roster, man! Hat nach Deutschland geschmeckt. Ich mag zwar keine Roster, aber war mal wieder schön) und gesungen, oh wir haben so viel gesungen. Das habe ich in Deutschland bei einem Fußballspiel noch nicht erlebt. Wie fange ich an, das zu beschreiben, mm. Der Gegner war der FC Yokohama und es waren ungefähr 100 Leute da, um sie zu unterstützen. Der Rest der 11 054 Besucher waren alle Fans von Yamaga. Ich merke mir solche blöden Zahlen übrigens.

Auf jeden Fall! Es gab so viele Anfeuerungslieder, die man voll einfach lernen konnte. Ehrlich Mal, es gab zu jedem Spieler einzeln ein Lied und dann noch eins, falls der jeweilige Spieler ein Tor geschossen hat und urgh, es hat so viel Spaß gemacht!

 

Am Ende hat der FC Yamaga dann auch noch 2:0 gewonnen und die Freude war gewaltig. Wir waren beim Spiel mit einer Freundin meiner Gastmutter. Es ist schon nervig genug, immer wieder durch die ganze Hallo-ich-bin-Katia-aus-Deutschland-und-auch-aus-Russland-Vorstellung zu gehen, aber noch nerviger sind die Gespräche mit all den Japanern, die einem erzählen, dass sie sich wahnsinnig für Deutschland interessieren und auch mal deutsche Wurst essen und deutsches Bier trinken und vor allen Dingen – auch Sauerkraut essen wollen. Ich bin wahnsinnig gut darin geworden, einfach zu nicken und zu lächeln und immer wieder dasselbe zu sagen, aber es regt mich so auf.

 

Genug davon aber! Gestern war ich auch ein bisschen unterwegs mit meiner Gastmutter, vor allen Dingen shoppen! Ich wahnsinnig genialen Rucksack für 3 € in einem Second-Hand-Laden gefunden und wurde dadurch inspiriert, mal wieder eine Liste zu machen!

 

Dinge, die Katia im Schüleraustausch gelernt hat:

 

  • Ich bin jetzt Kat von Im Westen Nichts Neues; Ich werde immer Essen finden. Jeder Versuch das Essen zu verbergen ist sinnlos. Ich bin erfahrene Austauschschülerin.
  • Stricken. (Weil, na ja, wenn ich schon in der Schule nicht viel lerne, dann sollte ich trotzdem was aus meiner Zeit machen)
  • Kochen. Etwas, das ich tatsächlich in der Schule gelernt habe. Danke, Akaho High School.
  • Ich finde mich besser als die Einwohner zu Recht, wenn es um Flohmärkte oder Second-Hand-Läden geht. Mein monatliches Taschengeld geht leider vor allen Dingen für Zugfahrten drauf, mittlerweile fahre ich ja auch alleine zu den Orientations, also jaah, da bleibt kein Platz für Luxus. Aber wie gesagt, ich habe den coolsten Rucksack gefunden!
  • Haare schneiden. Das ist tatsächlich nicht aus finanziellen Gründen zu standen gekommen, sondern eher weil mein Japanisch in der Anfangszeit echt nicht ausgereicht hat und ich habe immer noch keinen guten Friseur gefunden. Bin aber nicht die einzige; Belinda und Annika aus dem Nachbarort haben sich das auch beigebracht.
  • (Japanisch, duh.) Ich kann außerdem Hiragana und Katakana schreiben und lesen und das ist der größte Erfolg! Weil ich mich wahnsinnig blöd getan habe damit. Kanji kann ich vielleicht 30 oder, aber wie gesagt, das Schreiben ist echt urgh.

 

Ja, so viel erst einmal von mir. Ich werde mich bemühen, euch in den nächsten Tagen zu updaten, was ich sonst noch so gemacht habe in den letzten 1 1/2 Monaten.

Katias dritter Quartalsbericht

Mitte März haben in Japan die Frühlingsferien begonnen, das Schuljahr war zu Ende. Das war wundervoll, denn da hatte ich endlich mal richtig Schulferien! Etwas, das ich in Japan sehr vermisst habe. Leider hatte meine Gastfamilie absolut keine Zeit für mich und von Rotary stand zwar ein Ausflug an, aber der dauerte nur drei Tage und ich hatte einen Monat Ferien?

 

mini-image (1)Was also tun in meinem kleinen Dörfchen? Ich habe mir einen Praktikumsplatz für drei Wochen besorgt, in einem Steak-House / Italienischem Restaurant / Klassisch-Japanischem Restaurant. Und das war eine meiner besten Entscheidungen hier. Es hat eine gewaltige Menge Spaß gemacht, meine Japanischkenntnisse haben einen gewaltigen Schub bekommen, ich habe in meinen Kollegen richtig gute Freunde gefunden und nebenbei noch Arbeitserfahrung gesammelt. Am Ende des Arbeitstages habe ich außerdem ein komplettes Drei-Gänge Menü als Entlohnung bekommen. Von meiner Gastfamilie habe ich in diesem Monat leider nicht viel gesehen, was in dem Fall auch egal war, weil ich im Restaurant genug soziale Kontakte gepflegt habe.

 

Ende März stand dann endlich unser heiß ersehnter Ski-Ausflug mit Rotary an. Das Wetter hat leider nicht mitgespielt: Am ersten Tag Regen, und am Zweiten extremer Schnee, und am Dritten ging es leider schon wieder nach Hause. Ich bin noch nie in meinem Leben Ski gefahren, aber der Ausflug hat zumindest meine Neugier geweckt. Auch wenn ich Skifahren nicht mal ansatzweise gelernt habe, zumindest weiß ich jetzt, wie man hinfällt und werde mich vielleicht zu Hause noch einmal daran versuchen.

 

Kurz nach dem Ausflug stand dann mein voraussichtlicher letzter Umzug an. Vom Moment, als ich meinen ersten Schritt ins Haus meiner neuen Gastfamilie gesetzt habe, „dein Zimmer ist das hinten, roll deine Koffer ja nicht, das macht uns ja nur den Boden kaputt“, hat es leider nicht geklappt. In der ersten Woche dort hatte ich noch Frühlingsferien und ich war alleine zu Hause herumsitzen oder irgendwo draußen herumwandern. Gewaltiges Haus, gewaltiges Grundstück, aber ich habe die Leute wirklich nur zu den Mahlzeiten getroffen und den Rest der Zeit war niemand da. Das Haus war weit entfernt von jeglicher Zivilisation und wenn ich meine Gastfamilie dann mal gesehen habe, dann haben sie es klar gemacht, dass sie mich nicht mochten.

 

Der Lichtblick kam dann, als das neue Schuljahr begann und ich endlich 3. Klässlerin war. Ich kann nun sagen, was viele Austauschschüler, die in Japan waren, gesagt habe: in der der Dritten Klasse wird Alles besser! Plötzlich reden alle mit mir, ich habe Freunde und einen richtig genialen Stundenplan, und meine neuen Lehrer sind alle richtig nett.

 

mini-1016986_10201414463874253_2001931357_nMitte April hatten wir dann noch einmal ein Rotary-Wochenende, allerdings hier in Komagane. Aber wenigstens habe ich die anderen wieder gesehen, darauf kommt es an! Ich habe mich außerdem mit meinem Counselor über meine Gastfamilie beraten und er hat gemeint, er wäre wahrscheinlich weg gerannt. Und um ehrlich zu sein, genau das habe ich gemacht: Jedes Wochenende, jeden freien Tag, jede freie Stunde. Und wenn ich eine Stunde zum Bahnhof laufen musste, egal, Hauptsache erst mal wo anders hin. Oder einfach nur durch die Straßen ziehen und Musik hören.

Mein Counselor hat versprochen, sich darum zu kümmern und ich hoffte irgendwie auf eine Verständigung mit meiner Gastfamilie zu kommen, aber das ist schrecklich schief gelaufen. An einem Mittwochabend ist die Situation bei einem Gespräch mit meinem Gastvater und meinem Counselor leider eskaliert. Ich möchte nicht wirklich ins Detail jetzt gehen. Auf jeden Fall stand ich im Recht, so die Meinungen aller Beteiligten (außer meines Gastvaters) und mein Counselor hat meinem Umzug für das nächste Wochenende angekündigt. Bis dahin wurde ich jeden Tag nach der Schule abgeholt und zu netten Leuten wie meiner zweiten Gastfamilie, oder der Familie meines Counselors gebracht, damit ich nicht so allein war.

 

Jetzt wohne ich seit zwei Wochen bei einer Zwischenfamilie und ziehe voraussichtlich dieses Wochenende zurück zu meiner zweiten Gastfamilie wo ich dann bleibe, bis es am 14. Juli wieder nach Deutschland zurück geht.

 

Mir geht es gut, auch wenn der Monat April vor allen Dingen eine Katastrophe war. In der Schule läuft es super. Ich habe mir außerdem einen richtigen Freundeskreis aufgebaut und ich mag Japan immer noch, auch wenn meine Begeisterung für die Menschen hier ein wenig abgeflacht ist. Yuna und Haru sind meine besten Freunde in der Schule geworden. Und auch zwischen Kaito, Ikkei und mir hat sich eine Freundschaft aufgebaut. Laut unseren Klassenkameraden auch ein bisschen mehr zwischen Kaito und mir, aber dass ist leider nicht so.

 

Und letztes Wochenende war unser letztes Rotary-Wochenende. Eine Wanderung in den Alpen. Meine Lunge war nicht so begeistert, aber ich hatte eine gewaltige Menge Spaß. Und ich hoffe, dass in den letzten 8 Wochen alles klappt und ich noch ein paar schöne Erinnerungen mache.

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