KAY SAFONOV

七転び八起き – Fall seven times and stand up eight

März 2014

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Katias zweiter Quartalsbericht

mini-999802_174880996051953_1539194605_nKaum zu glauben das ich schon länger als ein halbes Jahr in Japan bin. Tatsächlich scheint die Zeit in letzter Zeit einfach nur vor sich hin zu fließen, ehe ich es mich versehen habe war der Februar schon vorbei und damit auch das Schuljahr in Japan. Abgesehen von ein paar Tagen die ich nun noch zur Schule gehen muss, habe ich jetzt erst einmal Ferien bis Mitte April.

Viel ist ja passiert in den letzten drei Monaten. Ich fange am besten mal dort an wo ich das Letzte Mal aufgehört habe.

Im November ging es dann zu meinem ersten Rotary-Trip nach Kyoto, Nara und Osaka. Es war einfach nur genial. Zu diesem Anlass war dann auch ein weiterer Distrikt am Start und so waren wir am Ende 12 Austauschschüler, von denen elf Mädchen waren. Und obwohl der Trip bloß vier Tage lang war haben wir es doch geschafft eine ganze Menge Neues in Japan zu sehen, viele Kulturstätten zu besuchen, uns alle kennen zu lernen und lieb zu gewinnen und uns alle gegenseitig mit der Grippe anzustecken. Nach dem ersten Abend Karaoke hatte ich dann auch gleich meine Stimme eingebüßt für die nächsten zwei Wochen.

Zurück in der Schule gab es plötzlich einen heftigen Temperatursturz, der eigentlich ganz normal war denn es war schließlich Winter, aber … nun ja, mit Heizen läuft es an meiner Schule absolut nicht. Das Thema hatten wir allerdings schon, Innentemperatur = Außentemperatur. Irgendwie habe ich mich daran aber auch gewöhnt und friere kaum noch, was ich vor allen Dingen meiner Kuscheldecke verdanke.

mini-Snow Monkey 169Dann war plötzlich schon Dezember und es fing nicht an zu schneien und es ging völlig an mir vorbei das Weihnachten vor der Tür stand, zumindest bis das erste West-Paket mit Räucherkerzen kam. Dann ging es mit meiner Laune doch schon ein ganzes Stück bergab, aber zum Glück stand schon der nächste Rotary-Trip an! Dieses Mal ging es für zwei Tage nach Tokyo. Nach diesem Trip konnte ich dann ein großes Häkchen auf meiner Checkliste machen, denn einer meiner größten Wünsche wurde erfüllt: Wir haben uns den Tokyo Tower angesehen und sind sogar auf die Aussichtsplattform gefahren. Ich weiß gar nicht recht wie es dazu kam, vermutlich weil ich ihn schon in so vielen Filmen gesehen hatte, doch ich wollte so sehr auf diesen Turm!

Weihnachten an sich war dann weniger spektakulär. Eigentlich gab es nicht wirklich ein Fest, aber ich habe an dem 24. Dezember für meine zweite Gastfamilie gekocht. Es gab also Königsberger Klopse mit Kapernsoße, ohne Kapern. Meine zweite Gastfamilie ist für mich wirklich wie eine zweite Familie geworden, ich habe mich dort unglaublich wohl gefühlt und mich wirklich gegrämt vor dem Tag an dem ich wieder ausziehen musste. Weihnachten die Nacht um drei Uhr habe ich dann auch noch mit meiner Familie und Freunden geskyped und zumindest meine Geschenke vor laufender Kamera geöffnet.

Und eine Woche später hatten wir dann eine volle Bude als sämtliche Verwandtschaft zu uns gezogen ist um gemeinsam das neue Jahr zu feiern. Silvesterabend war ruhig mit leckerem Essen und einer traditionellen Musikfernsehsendung die jedes Jahr gezeigt wird. Feuerwerk gab es nicht, stattdessen bin ich mit meinen zwei Schwestern Manami und Yuri zum Tempel gelaufen, habe heißen Reis getrunken und den Gong geläutet für Glück im neuen Jahr.

Neujahr begann dann mit einem weiteren Tempelbesuch bei dem wir uns unser Jahr Voraussagen haben lassen und ich hatte das größte Glück gewonnen. Und bis jetzt kann ich das auch nur bestätigen. Mir geht es einwandfrei. Einzige Bedingung damit sich dieser Spruch auch erfüllt war das ich nett sein soll und auf den Rat von älteren Menschen hören sollte. Ich glaube das schaffe ich.

Mitte Januar ging es dann noch einmal für zweite Tage nach Nagano-Stadt mit meinem Distrikt und wir haben uns etwas einfach Niedliches angesehen. Wir sind nämlich in die Berge gewandert zu einigen heißen Quellen, doch in denen badeten nicht Menschen, sondern Affen. Gott, waren die niedlich, und so glücklich und erfüllt in ihrem heißen Wasser während wir gefroren haben. Dann hieß es leider am Tag darauf Abschied nehmen von einem französischen Mädchen das leider aus familiären Gründen wieder heimkehren musste und dann waren wir nur noch fünf.

mini-027Am 8. Februar kam dann schließlich doch der lang verdrängte Tag und ich musste zum zweiten Mal umziehen, dachte ich zumindest. Denn plötzlich ist Winter eingebrochen über Nacht mit 40 cm Neuschnee und wir hatten vorher absolut keinen Schnee. Bis zum Abend umgaben uns schließen ganze 100 cm Neuschnee und ich durfte noch einen weiteren Tag mit meiner zweiten Gastfamilie verbringen. Mein (Gast-)Großvater hat mir dann auch ein rührendes japanisches Sprichwort erklärt, wenn es heftig regnet bedeutet das nämlich das jemand den man liebt gestorben ist und ich bin nicht gestorben sondern ziehe nur um, deswegen schneit es für mich.

Am nächsten Tag ging es dann doch zu Gastfamilie Nummer drei. Und mittlerweile sind wir auch etwas miteinander warm geworden, auch wenn es am Anfang ganz und gar nicht danach aussah. Traurig ist bloß das sobald ich diese Familie auch voll und ganz lieb gewonnen haben werde, ich wieder umziehen muss. Nächster Umzug: Ende März.

Das Schneechaos hat uns dann noch einige Wochen begleitet und Flughäfen, Züge und ganze Dörfer lahm gelegt (Schulfrei, wuhuu!). Leider haben sich in ganz Japan auch knapp 1400 Menschen verletzt und 12 Menschen sind sogar gestorben.

Nach mehr als einem halben Jahr geht es mir gut. Ich liebe Japan, es ist ein klasse Land. Mit den Japanern ist es ein bisschen schwieriger, aber wenn man sie ein bisschen anstößt und ihnen genug Zeit lässt, dann entwickeln sich auch hier Beziehungen die hoffentlich ein Leben lang halten.

In viereinhalb Monaten geht es dann auch schon wieder nach Hause, Anfang Februar habe ich meinen Rückflug für den 14. Juli gebucht. Bis dahin habe ich definitiv noch vor die Zeit hier zu genießen.

26. März

1975178_10201414498155110_297644643_nNachdem ich jetzt also erst einmal meine Trauer darüber dass der Ski Trip vorbei ist verarbeitet habe, kann ich endlich mal darüber bloggen! Yay. Letzte Woche ging es also nach Hakuba, das liegt im Norden  von der Präfektur Nagano (also gar nicht so weit weg!). Hingefahren bin ich dieses Mal wieder mit Tamara und das war super spaßig und wir haben leckeres Frühstück aus dem Convinient Store gegessen. Ehrlich Leute, es gibt nichts Besseres als Eiersalat-Sandwiches aus dem Kombini. So lecker~.

Mit der Fahrzeit haben wir es leider ein wenig überschätzt und deswegen sind wir als erste im olympischen Dorf in Nagano angekommen. Genau dieses Nagano, Olympia, ihr wisst schon!

Dort auf jeden Fall haben wir dann die nächsten drei Tage verbracht und es war einfach nur wahnsinnig awesome! Als die anderen Austauschschüler dann schließlich auch nach und nach angekommen sind folgten erst einmal tausende Umarmungen und Lachen und einfach Glücklichkeit, denn alle Austauschschüler lieben andere Austauschschüler. 

Dieses Mal waren ganze vier Distrikte am Start! Neben den Austauschschülern waren außerdem noch Rebounds, Rotex und Outbounds dabei. Wir waren glaube ich so um die 60 Personen. Glaube ich. Ich habe einen ganzen Haufen neue Freunde gefunden und immer wenn ich zufällig an jemanden vorbei gelaufen bin der definitiv zu unserer Gruppe gehörte habe ich einfach nur “High Five” gerufen und ja, so findet man Freunde.

1959698_10201414458274113_1052811642_nAm ersten Tag nach dem Mittagessen ging es dann gleich einmal zum Ski-Gebiet. Es hat geregnet wie Sau. Das war blöd und hätte alles verderben können, wäre ich nicht von so tollen Menschen umgeben gewesen. Nachdem wir in Gruppen aufgeteilt wurden (ich gehörte zu den Noobs die in ihrem Leben noch kein einziges Mal auf Skiern gestanden haben, obwohl sie eine Stunde vom nächsten Ski-Gebiet entfernt wohnen), ging es dann gleich mal auf den gewaltig-viel-zu-hohen Berg rauf.

Unsere Ski-Lehrer waren sehr überfordert damit das wir wirklich absolut nicht Skifahren konnten und haben sich dafür entschieden uns erstmal ein wenig den Berg runter fahren zu lassen und Bremsen zu üben. Hat nicht wirklich geklappt, was mich betrifft. Ich bin hingefallen, habe meinen Lehrer umgefahren, habe Rotarier umgefahren und letzten Endes alles gemacht außer Bremsen. Und es hat geregnet. Nach Ablauf der zwei Stunden waren wir alle einfach nur durchnässt und meine Füße haben so sehr weh getan von den Ski-Stiefeln. Zum Glück gab es im Hotel eine heiße Quelle, die hat die Qual abgeschwächt.

Abends gab es dann noch eine offizielle Eröffnungszeremonie, leckeres Abendessen mit Buffet  und eine schöne Runde Bingo. Irgendwann sind dann ein Haufen Leute in meinem Zimmer gelandet, jemand hat Essen organisiert und wir haben den Abend gefeiert. Das war auch mega-awesome. Wir haben einfach nur gequatscht, uns voll gefressen und Tee getrunken. Hardcore Party eben.

1146695_706310996086552_1365439044_nDer nächste Tag war komplett mit Ski fahren verplant, aber ich habe aufgegeben nachdem ich in meinen Ski-Schuhen war. Der Schmerz war einfach nicht zu ertragen. Allzu schlecht habe ich mich aber auch nicht gefühlt mit dem Aufgeben, denn ich war wahrlich nicht die einzige. Wir sind dann eben mit allen anderen auf den Berg rauf gefahren und haben den Tag größtenteils in der Lounge verbracht, Spiele gespielt, auch mal einen Schneemann gebaut und den besten Kakao der Welt getrunken. Es hat auch wahnsinnig viel geschneit an diesem Tag und man konnte kaum was sehen.

Gegen 15 Uhr ging es dann wieder zurück ins Hotel und wir sind auch gleich wieder ab in die heiße Quelle. Außenquelle war an dem Tag aber leider wegen dem Schnee gesperrt. Den Abend habe ich dann zu erst mit einem Haufen Menschen in der Lobby verbracht, bis wir raus geschmissen wurden weil die Lobby geschlossen hat und dann ging es wieder auf mein Zimmer, weil dort noch das ganze Essen war. Ich hatte alle Skandinavier und Franzosen in meinem Zimmer und nach anfänglicher Awkwardness hatten wir dann wieder einen ganzen Haufen Spaß mit einer gewaltigen Tee-Party. Um ehrlich zu sein; der Wunsch sich zu betrinken war bei allen da und wir wollten das auch alle durchsetzten, aber wir waren auch alle recht unschuldig und hatten absolut keine Ahnung wo man denn Alkohol her bekommen sollte. Also wieder Tee-Party.

Am Samstag hieß es dann leider bloß noch Abschied nehmen und es war ein grausamer Abschied. Denn es war schon unserer letzter Rotary-Trip mit anderen Distrikten. Wir mussten also endgültig Lebewohl sagen zu all den Menschen die wir gerade kennen gelernt hatten (ich werde auch vermissen Skandinavier! Und auch euch Franzosen! Und auch den Schweizer! Und auch dich du awesome japanisches Mädchen mit dem perfekten Deutsch! Und natürlich auch euch Amerikaner und argh, einfach alle eben!) und noch schlimmer, Lebewohl zu dem Distrikt mit dem wir schon gemeinsam in Kyoto, Osaka und Nara waren und das war zu viel für mein Herz – es ist ganz sehr angeknackt.

Jetzt bin ich auf jeden Fall immer noch gefühlsmäßig verwirrt, weil ich so viel Spaß hatte und auch noch wahnsinnig traurig bin, aber auf jeden Fall! Ich werde es mit dem Ski fahren noch einmal versuchen. Irgendwann.

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