KAY SAFONOV

七転び八起き – Fall seven times and stand up eight

Februar 2014

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10. Februar

Am 8. Februar war es wieder so weit – Katia musste wieder umziehen! Zu dumm dass das Wetter nicht mitgemacht hat. Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, hatten wir hier in Japan am vergangenen Wochenende die schlimmsten Schneestürme seit lange. Über 1000 Verletzte, Stromausfälle und gestrandete Reisende waren die Folge. Hier in Komagane hatten wir ungefähr 80 cm Neuschnee am Samstag, wo am Freitag noch der Frühling gefeiert wurde. Also wurde mein Umzug verschoben, auf Sonntag.

mini-014Sonntag hieß es dann erst einmal eine ganze Weile warten ob es wirklich was wird und wann mich mein Counselor Kegasawa Masakado abholen wird usw. Ich verstehe immer noch nicht wirklich warum er mich unbedingt abholen musste, aber OK. Nach einem lustigen Schneetag (Danke, Jack Frost!) mit Manami und anschließenden aufwärmen und Doctor Who schauen ging es dann gegen halb vier endlich los.

Mein Gepäck hat sich seit meinem letzten Umzug vor drei Monaten erheblich vermehrt, aber es hat doch irgendwie geklappt. Bei meiner neuen Gastfamilie – der Familie Baba – angekommen hieß es dann erst einmal Tee trinken, dann hat sich mein Counselor wieder verabschiedet (er ist bloß wegen dem Kuchen gekommen, ich sag es euch!) und ich habe mich mit meinen neuen Gasteltern an den Fragebogen für die erste Nacht gesetzt.

Meine Gastschwester war noch nicht da, sie war nämlich bei einem Schwimmwettkampf. Nachdem wir das mit den Fragen geklärt haben, sind meine Gasteltern gegangen und ich hatte gleich mal sturmfrei. Jaaaaaaaaaaaah… Ich weiß immer noch nicht wirklich wer meine neue Gastfamilie eigentlich ist, ich hoffe wir lernen uns noch kennen.

Dann ging es ans auspacken! So ein Kampf, aber ich habe es dieses Mal im Rekordtempo von einem Abend geschafft. Jetzt wohne ich auf jeden Fall in einem Zwei-Etagen Haus, habe mein eigenes Zimmer gleich neben meiner Gastschwester (blöde japanische Papierwände, man hört Alles) und ja, achso! Ja! Wir haben einen Hasen! Endlich wieder ein Haustier! Ich hoffe Moco (der Hase)und ich werden gute Freunde und das ich mit meiner Gastfamilie auch noch warm werde. Die ersten Tage sind immer schwer.

Heute habe ich mich dann erst einmal erkältet und morgen ist zum Glück sowieso schulfrei, weil keine Ahnung, Feiertag. Jap, es ist ein Feiertag. Tag der Staatsgründung um genau zu sein. Meine Gasteltern arbeiten trotzdem und meine Gastschwester fährt nach Okaya ins Kino und ich werde Kekse backen für den Valentinstag. Das läuft hier nämlich ähnlich wie Halloween ab – jeder bringt was Süßes mit und schenkt es seinen Freunden. Ich backe Katzenförmige Kekse, ich glaube das vertritt meinen Standpunkt alá Nope, Nope, Nope ideal.

14. Februar

Jaah, der 14. Februar das ist doch der Valentins-… NOPE! Für mich gibt es viel Wichtigeres an diesem Tag zu feiern. Heute vor genau einem Jahr habe ich erfahren das es für mich nach Japan in den Schüleraustausch geht. Ich war gerade in Moskau, meine Verwandtschaft besuchen, weil die Goldene Hochzeit meiner Großeltern bevorstand. Wir waren gerade eine Freundin auf Arbeit besuchen und ich wollte bloß mal eben schnell meine Mails checken und Voilà; Betreff: Glückwunsch, sieht so aus als ob es nach Japan geht. Ich kann gar nicht beschreiben wie ich mich an diesem Tag gefühlt habe.

Außerdem in genau fünf Monaten geht es für mich schon wieder nach Hause. So sieht es aus, vor zwei Wochen habe ich meinen Rückflug gebucht. Am 14. Juli 2014 geht es wieder zurück nach Deutschland für mich. Ich freue mich auf den Flug (ich mag fliegen), aber nicht auf den Jetlag. Allgemein habe ich sehr gemischte Gefühle, wenn ich ans Heimkehren denke. Dann bin ich ja plötzlich in der Oberstufe und muss wieder etwas leisten in der Schule und mich mit Universitäten und solchen Dingen auseinander setzen. Gemischte Gefühle eben.

Der Schultag 14. Februar 2014 war auch sehr interessant. Da wir ja in Japan noch in dem Alter sind in dem wir das andere Geschlecht gruselig finden und nichts mit denen zu tun haben wollen, schenkt man sich untereinander ein wenig Schokolade. Ich habe zum Anlass ein paar Kekse gebacken und andere Mädchen aus meiner Klasse haben Pralinen selber gegossen usw. Der Austausch sollte dann in der Mittagspause stattfinden, aber soweit ist es nicht gekommen… Denn als ich gerade schön zwischen meinen fünfhundert Decken vor dem Ofen in der Bibliothek saß zur dritten Stunde, gab es plötzlich eine Durchsage: „Alle Schüler haben sich sofort in ihren Klassenräumen einzufinden”. Das ganze wurde dann noch fünf Mal wiederholt als ob man auch mich aufwecken wollte das ich tatsächlich unter die Rubrik „Alle Schüler” falle.

Im Klassenzimmer angekommen waren dann da bloß ich und mein Klassenzimmer, der Rest der Klasse war noch im Sportunterricht (zu kalt für mich zurzeit)Nach einigen Minuten awkward mit meinem Lehrer darüber sprechen das wir in Deutschland auch Schnee haben ist dann der Rest der Klasse eingetrudelt. Und dann wurden wir nach Hause geschickt. Ich habe ja wirklich nichts gegen Schulfrei halb 12, aber das Timing war echt blöd. Also was war geschehen das man uns alle geschlossen nach Hause schicken musste? Der kleine Bruder von dem Schneesturm letzte Woche war geschehen. Und bevor der Bahnverkehr wieder komplett zum erliegen kam hat man dann doch erstmal die Schüler nach Hause geschickt.

Hastig haben wir noch ein paar Valentinsgeschenke getauscht und dann stand auch schon meine neue Gastschwester Yuriko vor der Tür und dann ging es nach Hause. Problem langer Weg und Gasteltern noch auf Arbeit, aber wir haben es trotzdem geschafft. Nach fast einer Stunde kamen wir dann erfroren zu Hause an. Mir geht es gut, aber meine Gastschwester mit ihrem Minirock hat mir schon Leid getan.

Den Rest des Tages habe ich dann damit verbracht deprimierte Freunde aufzubauen, weil zum einen Valentinstag und zum anderen Halbjahresabschluss in Deutschland ist, habe außerdem diverse selbst gegossene Pralinen gefuttert, Kekse gefuttert und Filme geschaut. Divise des Tages: Guter Tag.

P.S.: Wir haben übrigens gar nicht so viel Schnee hier. Auf jeden Fall nicht so eine große Katastrophe wie die japanischen Medien es dazustellen versuchen. Aber hier in unserem kleinen Bergdorf haben wir keinen Winterdienst. Trotzdem, mal ganz im Ernst, es sind nur 20 – 30 cm und vielleicht höchstens -3°C, nicht die Apokalypse. 

24. Februar

Gestern ging es zusammen mit Manami und meiner zweiten Gastmutter nach Nagoya ins Aquarium. Ich habe mich wahnsinnig gefreut die beiden wieder zu sehen und wir hatten schon auf der dreistündigen Autofahrt nach Nagoya eine Menge Spaß mit Les Miserables Karaoke, Frühstück im Auto und jeder Menge meiner Lieblingssüßigkeiten. Das Aquarium war gewaltig groß und wahnsinnig beeindruckend.

Es gab unter anderen Pinguine, Delfine und auch Delfinshows, Wale und auch Schwarmfische. Die Schwarmfische zu beobachten war richtig klasse und die Delfinshow die wir besucht haben war einfach nur niedlich. Man hat den Delfinen sogar beigebracht wie man sich verbeugt.

Der einzige Nachteil mit meiner zweiten Gastmutter und Manami ins Aquarium zu gehen war natürlich das man mir die ganze Zeit erzählt hat welcher Fisch mit welcher Soße und in welcher Suppe am besten schmeckt; oder auch „schau Katia, das ist der Fisch den du als Sashimi so gerne isst!” Und plötzlich vergeht einem der Appetit auf Sashimi wenn man den traurigen Blick mancher Fische gesehen hat. Mondfische hatten von allen Fischen den besten Blick drauf; den Blick völliger Leere.

Außerdem erwähnenswert, am Samstag habe ich in Stille mit einer Tafel Milka mein Halbjähriges hier in Japan gefeiert.

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