KAY SAFONOV

七転び八起き – Fall seven times and stand up eight

August 2013

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22. August

Der große Tag ist da. Oder besser gesagt die großen zwei Tage. Mensch, Mensch, da war schon echt eine Menge los bei mir hier und ich kann stolz verkünden, dass ich keinen Jetlag habe (zumindest hoffe ich das).

Früh um 6 Uhr war ich Mittwochfrüh auf den Beinen und dann ging es gleich mal mit dem Auto drei Stunden lang nach Frankfurt.  Dort angekommen sind wir dann erstmal ein bisschen gekreist, weil unser liebes Navigationsgerät „Bärbel” den Flughafen auch viel zu groß fand um sich zu orientieren. Irgendwann haben wir dann aber doch noch einen Parkplatz gefunden und dann ging es gleich los. Am Flughafen lief alles ohne Probleme.

Elf Stunden Flug vergehen nicht schnell. Egal was man macht und die Filme waren jetzt auch nicht so toll, letzten Endes habe ich dann „Iron Man 3″, „The Big Wedding”, „Jack & the Giants” und noch einmal „Iron Man 3″ geschaut. Das Essen war aber echt lecker. Ich weiß nicht genau was es war, weil es Japanisch war, aber es war lecker. Dann wurde es kurz dunkel. Alles Japaner um mich herum waren sowieso schon eingeschlafen also haben die davon nichts mitbekommen. Als ich am Horizont dann schon wieder die Sonne aufgehen sah, habe ich mich auch mal kurz hingelegt (ganze Sitzreihe nur für mich, ein Juhu, auf den nicht ausgebuchten Flieger) und bin nicht geschlafen, aber zumindest „The Best of A-ha” habe ich gehört und bin dem Schlafzustand wohl sehr Nahe gekommen. Dann gab es Frühstück, ich war wieder hellwach und schon waren wir über Japan. Es sah bis zum Ende so aus als wollten wir irgendwo im Meer landen, doch dann hat man im letzten Augenblick doch noch die Landebahn gesehen.

Am japanischen Flughafen ist zum Glück auch alles glatt gelaufen und kaum hatte ich meine Koffer bei mir wurde ich von zwei lächelnden, überglücklichen Japanern mit einem Namensschild begrüßt. Einer von den beiden war ein Vertreter vom Rotary Club und der andere mein Ojiichan (Großvater). Die haben mich dann mit dem Auto nach Komagane gebracht, allerdings nicht ohne zwischendurch fünfzig Mal zu halten damit ich auch ja noch etwas zu Essen bekomme. Bei der Gelegenheit durfte ich mich dann auch gleich mal hilflos einer japanischen Toilette entgegenstellen und bin jetzt stolz darauf das ich nur 10 Minuten davor stand und dann endlich den Knopf gefunden habe zum spülen. Alle anderen Knöpfe wären furchtbar peinlich gewesen…

Als ich dann endlich in meinem Gasthaus ankam, wurde ich gerade zu überrannt von Menschen. Irgendwie habe ich es dann aber doch geschafft mal ein bisschen Ruhe zu bekommen. In meinem Haus habe ich ein eigenes Zimmer, obwohl, eher eine eigene Etage die aus zwei Zimmern besteht. Ich wohne zusammen mit meinem Ojiichan, meiner Obaachan (Großmutter), meiner Okaasan (Mutter), meinem Otousan (Vater) und meiner Imouto (kleine Schwester). Das Haus ist ein traditionelles japanisches Haus mit Tatamizimmern, einem kleinen Zen-Garten und allem wie man sich so ein Haus vorstellt.

Zum Abendessen wurde ich dann gleich noch einmal überrannt. Dieses Mal zum Glück aber von Menschen die zumindest ein bisschen Englisch konnten, so konnten wir noch letzte Probleme (Wäsche waschen, Bügeln, etc.) klären. Ich habe auch endlich einmal den ehemaligen Chef von unserem Distrikt, Itou Masaki, getroffen. Seine Frau war der Höhepunkt des Abends für mich. Sie kommt ursprünglich aus Spanien und spricht fließend Englisch, Spanisch, Japanisch und sogar ein paar Sätze Deutsch. Morgen möchte sie mich mit an das Institut nehmen in dem sie Spanisch lehrt und mich ihren russischen Kollegen vorstellen. Außerdem geht es morgen früh gleich wieder früh raus in meine Schule um mich dort ein wenig umzusehen. Noch sind Ferien, aber nächsten Mittwoch geht es dann los.

23. August

GartenZum zweiten Mal ist für mich die Sonne aufgegangen in Japan. Am Anfang werde ich wohl jeden Tag einen Beitrag verfassen, jetzt wo alles noch neu ist. Aber sobald ich hier ein wenig Routine habe, wird es wohl weniger von mir zu lesen geben. Mal sehen wie sich alles entwickelt.
Heute ging es für mich gleich wieder früh los. Um 6 Uhr bin ich aufgestanden, weil es um 7 Uhr schon Frühstück gab. Das Aufstehen ist mir heute furchtbar schwer gefallen. Die Nacht war sehr anstrengend, weil es so furchtbar heiß im Haus ist. Irgendwann habe ich mich dann doch hoch gezwungen und den Air Conditioner angeschaltet. Er ist mein bester Freund hier, denn Dank ihm ist mein Zimmer das Einzige das halbwegs kühl ist. Danach bin ich mit meinem Ojiichan zu meiner Schule gefahren um mich dem Direktor vorzustellen. Wenn man sich mit jemanden trifft, dann wird üblicherweise Tee getrunken und Visitenkarten ausgetauscht. Nach dem kleinen Plausch ging es dann zusammen mit meinem Counselor in das Rathaus, dort habe ich mich angemeldet und meine japanische Krankenversicherung bekommen.

Wieder zu Hause angekommen haben wir dann erst einmal Mittag gegessen. Nach dem Mittagessen ist Ojiichan mit mir zum Rotary Club gefahren, damit ich mich dort ein wenig umschauen kann, bevor ich am Dienstag vorgestellt werde. Ein Mitglied haben wir auch getroffen und natürlich zusammen Tee getrunken und miteinander gesprochen. Sie konnte ein wenig Englisch. Englisch kann hier eigentlich wirklich niemand. Außer Itou Masaki und seine Frau  kenne ich noch niemanden der es sprechen kann. Schreiben vielleicht, aber sprechen…

Nach dem Treffen im Rotary Club sind wir wieder nach Hause gefahren, wo es dann erst einmal Nachmittagstee gab. Ihr seht also; Tee füllt mein Leben bis jetzt in erheblichen Maßen. Er kann kalt oder heiß getrunken werden und hat im Grunde keine Kalorien. Auch gezuckert wird er nicht, daran muss ich mich erst noch gewöhnen. Als wir unseren Nachmittagstee beendet haben, sind meine Okaasan und ich einkaufen gefahren. Sie hat mir ein total niedliches Brief-Set gekauft und eine kleine Matryoshka. Alles hier ist wirklich niedlich. Die Fernsehsendungen, die Haarschleifen, die Taschentücherboxen, etc.

Zu Hause habe ich es dann endlich geschafft wenigstens einen meiner Koffer komplett fertig ausgepackt zu haben. Den Anderen nehme ich mir für morgen vor, ich habe bloß nicht wirklich einen Kleiderschrank im Zimmer. Sobald ich aber ein wenig Ordnung geschaffen habe, werde ich auch Fotos machen. Dann habe ich mich erst mal an den Computer gesetzt und E-Mails beantwortet. Gerade als ich fertig war stand dann Itou Masaki vor der Tür und hat mir mein japanisches Handy überreicht. Ich muss echt schauen wie ich damit zu Recht komme… Es ist wie ein Japaner der verzweifelt versucht Englisch zu sprechen.

Danach hat er mich dann mit zu sich genommen (ganze 200 Meter die Straße entlang) und ich habe seine Frau und ihre russische Kollegin Olga getroffen. Es war sehr kompliziert mit den beiden zu reden, denn miteinander konnten sie nur Japanisch sprechen, mit Olga konnte ich nur Russisch sprechen und mit Itou Masakis Frau, Mercedes, nur Englisch. Mitten in Sätzen hat mein Gehirn manchmal einfach aufgegeben und auf einer anderen Sprache weiter gemacht. Das war so seltsam… Natürlich haben wir zusammen Tee getrunken.

Ein Bild habe ich dann aber doch noch machen können, heute Morgen bevor es angefangen hat zu regnen wie verrückt, von unserem Garten.

Heute Abend habe ich dann meine Gastgeschenke übergeben und jeden Vogel abgeschossen. Alle haben sich so sehr gefreut und sich hunderttausendmal bedankt und verbeugt. Dann haben wir noch zusammen „Harry Potter und der Orden des Phönix“ auf Japanisch angeschaut. Zum Glück kann ich den Film auswendig.

25. August

Jetzt bin ich erst vier Tage in Japan. Kaum zu glauben, oder? Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass ich hier wirklich ein Jahr lang bleibe. Alles scheint irgendwie so unreal. Ein Jahr das sind immerhin knapp 360 Tage, vielleicht ein bisschen weniger weil es ja ein Austausch ist. Na ja, vielleicht begreife ich es irgendwann noch. Im Augenblick habe ich das Gefühl das ich immer noch zu viel Zeit am Computer verbringe und mit meinen Freunden in der Heimat schreibe. Ich werde also mein Bestes geben um das ein wenig runterzuschrauben.

Heute war der erste Tag an dem ich gut geschlafen habe, ohne mitten in der Nacht wegen der schrecklichen Hitze aufzuwachen und ich bin auch relativ schnell eingeschlafen. Es wird jetzt zum Glück etwas kühler, was auch an den massiven Regenfällen der letzten Tage liegt. Mancherorts herrscht hier sogar richtiges Hochwasser. Erlebe ich das also gleich zwei Mal in einem Jahr, nur dieses Mal auf der anderen Seite der Erde.

 

mini-jap 001Gestern bin ich mit Ojiichan und Obaachan zum Hanabi gefahren. Das Fest von dem ich schon erzählt habe, dass am Fluss gefeiert wird. Dort gab es erst einmal wieder bloß zu Essen. Der wichtigste Satz hier ist definitiv: „Nein, danke! Ich bin Satt! Danke. Aber, nein. Mir geht es gut!” Alle machen sich Sorgen weil ich so wenig esse. Aber eine Schüssel Reis zum Frühstück ist nicht wenig, nur weil die anderen drei essen, ist eine Schüssel nicht wenig. Wir haben uns dort ein wenig umgeschaut und sind dann weiter gefahren. Das nächste Ziel war der Tempel der Stadt. Wirklich beeindruckend. Dort hat man mich dann gleich mal mit Andenken überschüttet – kleine Glücksbringer vom Tempel. Ich weiß nicht recht wie ich damit umgehen soll, dass alle mich so sehr beschenken wollen. Irgendwie habe ich das Gefühl ich kann nur viel zu wenig zurück geben…

 

Am Abend habe ich dann zum ersten Mal mit meinen Eltern per Videochat telefoniert. Es war schön sie mal wieder zu sehen, aber trotz allem ist meine größte Furcht die ich hier habe: Heimweh. Ich habe wirklich Angst davor, keine Ahnung wie man damit umgehen soll, falls es einmal eintritt. Zum Telefonat habe ich auch kurz meine Großeltern mit rauf in mein Zimmer geholt und sie waren sehr begeistert meine Eltern zu sehen und andersrum war die Freude mindestens genau so groß.

Nach dem Abendessen sind wir dann gleich losgefahren zum großen Feuerwerk. Obaachan, Ojiichan und meine kleine Schwester. Es war echt beeindruckend. Drei Stunden lang saßen wir am Flussufer und haben uns über 300 Feuerwerksvorführungen angesehen. Jede einzelne Vorführung wurde vorher angekündigt und die Sponsoren wurden benannt.

Heute hatte ich dann meinen ersten freien Tag überhaupt, aber irgendwie tut mir das nicht unbedingt gut. Meine Gedanken schweifen viel zu oft ab. Ich freue mich darauf dass ab Morgen jeden Tag etwas los ist. Obwohl heute Sonntag ist, konnte ich trotzdem nicht ausschlafen. Frühstück gibt es wie jeden Tag um 7 Uhr. Ich werde hier wohl schnell lernen an den unmöglichsten Orten einzuschlafen. Das gehört zur Überlebenskunst hier in Japan.

mini-003Am Nachmittag bin ich mit meiner Okaasan und mit meinem Otousan einkaufen gefahren. Wir waren in einem gewaltigen Einkaufszentrum in dem es alles Mögliche zu kaufen gab. Viele tote Fische haben mich angeschaut, das hat mich irgendwie ein wenig verschreckt. Aber letzten Endes habe ich sie doch zum Abendessen gegessen. Wir sind auch an einem kleinen Stand vorbei gekommen, an dem traditionelle japanische Kleidung verkauft wird und meine Okaasan hat gleich insistiert, dass wir mit Obaachan noch einmal hier her kommen und mir einen Yukata kaufen. Und wieder werde ich mit Gastfreundschaft regelrecht überschüttet.

 

Heute habe ich es dann auch endlich mal geschafft ein paar Fotos zu machen. Auf dem ersten Bild seht ihr mein Zimmer und auf dem zweiten meine Gastfamilie: Hintere Reihe von links: meine kleine Schwester, mein Vater, meine Mutter, mein Bruder. Vordere Reihe von links: mein Großvater, ich und meine Großmutter.

Die ersten vier Tage sind also vorbei. Ein Kulturschock ist irgendwie ausgeblieben. Und ich fühle mich als ob schon jetzt Narnia zwischen mir und Deutschland liegt. Ich kann es kaum glauben das ich vor fünf Tagen noch mit meiner Tante und meinem Onkel wandern war. Alles scheint so distanziert. Japan ist ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Das Haus ist so wie ich dachte ein japanisches Haus ist, aber alles andere ist nicht so krass wie man es uns in der Orientation beigebracht hat. Zum Beispiel das mit dem ordentlichen Sitzen oder mit dem schönen Verbeugen, das macht hier jeder wie er es für richtig hält. Und alle sind viel offener und weniger streng und verschlossen und traditionell als ich es mir vorgestellt habe. Alles in allem ist das aber eine sehr positive Entwicklung. Auch die Sprache habe ich mir schlimmer vorgestellt, aber ich spreche echt gut Japanisch. Das habe ich mir nie zugetraut. Heute habe ich sogar meinen ersten japanischen Witz erzählt, der alle wortwörtlich vom Hocker gehauen hat.

Morgen muss ich dann zum ersten Mal in die Schule und ich habe verdammte Angst und bin aufgeregt, denn ich muss eine Rede vor der ganzen Schule (750 Schüler) halten, auf Japanisch…. Aber das wird schon! Immerhin müssen wir doch ganbarieren! Gut, das war es dann erst einmal von mir.

26. August

mini-jap 005Heute habe ich zum ersten Mal ausgeschlafen – denn ich bin heute das erste Mal vor dem Klingeln meines Weckers aufgewacht. Wenn auch nur fünf Minuten davor. Es ist trotzdem irgendwie eine Leistung im Land des Schlafmangels. Heute ist Montag, das Wochenende ist vorbei und alle sind wieder auf Arbeit. Ojiichan und Obaachan arbeiten fleißig und Okaasan und Otousan machen das auch. Meine Imouto ist in der Schule und kommt nicht vor 19 Uhr nach Hause… und dann gibt es da mich. Ich fühle mich so faul hier, aber mir fällt auch nichts ein was ich machen könnte jetzt wo ich hier noch nichts kenne. Spazieren gehen könnte ich, und ich lese viel, aber ich fühle mich trotzdem irgendwie viel zu faul für dieses Land. Das wird hoffentlich besser wenn die Schule erst einmal richtig losgeht am Mittwoch, auch wenn Schule bis 19 Uhr nicht unbedingt Freudenrufe in mir auslöst. Irgendwie freue ich mich aber doch richtig auf die Schule.

Frühstück war heute wie immer. Es gab Reis und Suppe und dazu sehr viel anders, das man sich auf den Teller legen konnte. Im Grunde reicht eigentlich Reis mit Suppe, aber die ganze Zeit ablehnen wäre auch unhöflich. Heute gab es unter anderem auch: Tintenfisch, anderen Fisch, Mango, Tomaten, eine seltsame blaue Frucht die irgendwie auch nach Fisch geschmeckt hat und vieles mehr. Das lustige am Essen ist: man muss Alles mit Stäbchen essen. Wirklich Alles. Auch die Mango und auch Suppe, so seltsam es sich jetzt anhört. Ich mache mich immer noch ein wenig lächerlich dabei, aber lachen ist gesund, nicht?

Nach dem Frühstück habe ich dann noch einmal fleißig mein Spiegelbild mit meiner Rede gelangweilt und dann ging es auch schon los zur Schule. Meine Okaasan hat mich gefahren, zu Fuß finde ich den Weg jetzt wohl noch nicht. Zu erst musste ich mich vor allen Lehrern vorstellen. Mein Rücken tut schon weh von dem ständigen Verbeugen. Ich habe dort aber auch gleich jemand tolles kennen gelernt: Sydney. Sie ist aus Amerika und macht hier praktisch ein Austauschjahr als Lehrer. Jede Bekanntschaft die Englisch sprechen kann ist Gold wert.

 

mini-jap 015Nachdem ich mich dann noch einmal der Klasse vorgestellt hatte, ging es richtig los und ich musste vor der ganzen Schule auf der Bühne reden und mich vorstellen und meine Heimat. Meine Beine haben kaum gezittert und am Ende haben alle geklatscht; ich schätze das war ein Erfolg. Danach haben meine Okaasan und ich noch mit meinem Klassenlehrer geredet. Das wichtigste habe ich hoffentlich verstanden. Am Mittwoch treffen wir uns Vormittag um meinen Stundenplan zu Recht zu machen. Wir fahren wohl mit der Klasse einmal nach Osaka und einmal nach Hiroshima, das wird bestimmt echt großartig! Und ich muss mir noch blaue Slipper für die Schule kaufen, denn niemand hat die Absicht die Schule mit Straßenschuhen zu betreten.

 

Als wir das dann Alles geklärt hatten ging es wieder nach Hause und traurigerweise war das dann auch das Erlebnis des Tages. Jetzt wo die Woche wieder losgeht arbeiten alle. Letzte Woche habe ich das nicht wirklich bemerkt, weil mein Gehirn da noch zu überfordert war, aber heute saß ich dann zum ersten Mal in meinem Zimmer und habe mich gelangweilt. Dann habe ich „Die Tribute von Panem“ geschaut und die Langeweile war wieder verflogen, trotzdem war es seltsam –  und deshalb liebe Kinder, freut sich Katia auf die Schule.

 

Morgen geht es dann für mich zum ersten Mal in den Rotary Club von Komagane um mich dort noch einmal vorzustellen. Eigentlich sollte mich mittlerweile die ganze Stadt kennen, aber scheinbar nicht. Ich freue mich auf das Treffen im Rotary Club, da kann ich dann auch den Wimpel von meinem Rotary Club überreichen und wieder ein bisschen Englisch sprechen. Japanisch sprechen und lernen ist zwar schön, aber so durchgehend echt anstrengend.

Heute habe ich auch noch zwei Fotos für euch: unser Haus mit Aussicht auf meine Wäsche die auf dem Balkon trocknet und einmal die Aussicht vom Balkon aus, über die Stadt. Das soll es dann heute erst einmal von mir gewesen sein.

27. August

Heute ist es wieder wärmer hier, aber noch zu ertragen. Trotzdem: Danke, lieber Air Conditioner. Ohne dich hätte ich Japan am ersten A end wieder verlassen oder wäre wegen der Hitze gestorben. Während des Frühstücks habe ich durch Zufall mal in die japanische Tageszeitung geschaut und was sehe ich? Ein zweiseitiges Special zum Musical „Les Miserables“. Es wird demnächst in Tokyo und Nagoya aufgeführt. Hin komme ich wohl nicht. Erstens; weil es sehr teuer ist und Zweitens; weil das beides andere Präfekturen sind und schon alleine die Stadt zu verlassen ist in Japan ein großer, bürokratischer Krieg für mich als Gastschüler. Trotzdem bin ich glücklich, denn der Zeitungsartikel hängt jetzt als Poster in meinem Zimmer und der japanische Enjolras sieht genau so gut aus wie der Amerikanische.

Nach dem Frühstück habe ich dann erst einmal festgestellt, dass der Plan mit meinem Stromadapter doch nicht hinhaut. Funktioniert einfach nicht das Laptopkabel jedes Mal mit Gewalt zum funktionieren zu bekommen, aber Dank meiner Gastmutter habe ich jetzt einen neuen Adapter der wunderbar funktioniert und meinem Computer seine Lebensenergie gibt. Den ganzen Vormittag über habe ich mich dann damit beschäftigt in meinem Zimmer mal ein wenig präsentable Ordnung zu verbreiten und wütend zu sein, weil Ron, dieser Idiot, Harry und Hermine im letzten Buch einfach sitzen lassen hat. Sein Glück das er wieder zurück gekommen ist. Sonst wäre ich zu ihm gekommen.

 

Gegen 11.30 Uhr ging es dann los und Ojiichan und ich sind zusammen zum Rotary Meeting gefahren. Dort angekommen wurde ich an einen Tisch gesetzt und saß dann dort erstmal eine ganze Stunde bevor etwas passiert. Im Raum waren sehr viele Menschen. Neben mir eine einzige Frau, alles andere waren Männer. Dann ging das Treffen los, ganz anders als in Deutschland. Es gibt dort jemanden der immer die Ansagen macht. Ganz offiziell mit Mikrofon und fast mechanischer Stimme. Er eröffnet das Treffen, er nennt den jeweiligen Sprecher usw. Nachdem das Treffen eröffnet wurde, gab es dann erst einmal Mittagessen für alle.

 

Nach dem Essen wurden dann verschiedene Reden gehalten. Ich wurde begrüßt und mir wurde viel Erfolg in Japan gewünscht. Dann fand die Wimpel-Übergabe statt. Ein Foto wurde geschossen und es wurde sich verbeugt. Und dann war es wieder mal an mir mich vorzustellen und einen kleinen Vortrag zu halten in dem ich mich ausführlich bedanke und ein wenig über mich spreche. Alle waren sehr überrascht dass ich so gut Japanisch konnte. Ich eingeschlossen. Nachdem ich fertig war, hielten noch ein paar andere Männer Vorträge. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ging es um die Japanische Wirtschaft.

 

Wieder zu Hause angekommen, habe ich dann zum ersten Mal mein Taschengeld vom Rotary Club bekommen. Ich bin jetzt stolze Besitzerin eines einzigen japanischen Geldscheins. Ich finde es lustig dass der Yen immer so dramatisch ist im Gegensatz zum Euro:

“Ich habe heute ganze 1000 Yen (7.60 €) nur für Haargummis ausgegeben!”

Dann habe ich mich erstmal ausgeruht. Danach gab es den üblichen Nachmittagstee und jetzt ruhe ich mich vom Nachmittagstee aus. Der Stress hat immer noch nicht eingesetzt. Dafür habe ich mir aber fest vorgenommen jetzt ein wenig Sport zu machen.

28. August

mini-001Heute früh ging es dann also noch einmal in die Schule für mich. Kontakt mit anderen Schülern hatte ich aber trotzdem nicht. Meine Gastmutter und ich hatten ein Gespräch mit meinem Klassenlehrer. Er hat einen Dialekt, deswegen ist es sehr schwer gewesen ihn zu verstehen. Aber ich glaube das Wichtigste habe ich begriffen!

 

Das Wichtigste des Tages war wohl das ich meine Schulfächer wählen konnte. Ich habe ungefähr 3 Mal so viel Englisch wie alle anderen Schüler in meiner Klasse, aber das ist ja auch das einzige Fach in dem ich zumindest ansatzweise dem Unterrichtsgeschehen folgen werden kann. Außerdem werde ich versuchen an den Englisch Examen teilzunehmen, einfach um zu sehen wie weit ich da komme. Ich habe zwei Fächer hier die ich in Deutschland nicht habe: Japanische Geschichte und Gesundheitslehre. Der Rest ist ungefähr dasselbe. Kein Ethik- oder Deutschunterricht natürlich, aber Wirtschaft und so etwas. Ich habe mich außerdem dafür entschieden dem Kunst Club beizutreten und das ist in Japan eine große Verpflichtung. Ein Club ist so etwas wie die zweite Familie. Jeden Tag habe ich dann von 4 Uhr bis 6 Uhr, nach der Schule, Kunst und auch am Samstag gehe ich von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr in die Schule um am Kunst Club teilzunehmen. Aber ich freue mich echt drauf, hoffentlich lerne ich viel!

 

Im Dezember macht meine Schule einen Ausflug nach Hiroshima, Kobe und Osaka. Wahrscheinlich kann ich da allerdings nicht mit, weil wir mit Rotary schon einen Ausflug an denselben drei Tagen machen. Ich werde aber wie auch immer sehr viel Spaß haben.

Nachdem wir mit meinem Klassenlehrer gesprochen hatten, verabschiedeten meine Gastmutter und ich uns wieder von der Schule und machten uns auf zum einkaufen. Zu erst haben wir ein paar Slipper gekauft, die ich in der Schule tragen werde. Blau, so wie die Slipper aller anderen, nur viel größer. Danach ging es zum Notizbuchkauf. Die musste ich selber bezahlen, aber finde ich auch in Ordnung. Alle machen sich immerhin so viel Mühe mich glücklich zu machen und ich bin ja auch glücklich hier. Zum Schluss haben wir noch Turnschuhe und meine Sportuniform bestellt. Das finde ich total toll, ich bekomme eine Sportuniform mit meinem Namen drauf und hinten drauf steht dann: Akaho (=meine Schule).

mini-003Dann gab es erst einmal Mittagessen und ich habe mich in ein Gericht hier wirklich verliebt: Curry Reis. Es ist nicht das Curry das wir aus Deutschland kennen, es schmeckt eher süß und es ist so unglaublich lecker. Gestern Abend, heute zum Frühstück und heute Mittag gab es Curry Reis und ich habe immer noch nicht das Gefühl das ich genug gegessen habe. Heute zum Abendbrot gab es dann Pasta, auch sehr lecker. Nach dem Mittagessen habe ich mich erst einmal daran gesetzt mein Schulzeug zu sortieren und noch ein wenig zu schlafen. Heute habe ich mich wirklich erschlagen gefühlt.

 

Abends sind dann meine Gastmutter und ich noch einmal Itou Masakis Frau besuchen gegangen. Mercedes hat dann zwischen mir und meiner Gastmutter gedolmetscht, nach der ersten Woche kamen immerhin schon ein paar Fragen auf. Meine Gastmutter muss sich jetzt keine Sorgen mehr machen das ich verhungere, Mercedes hat ihr erklärt das wir nicht so viel essen in Deutschland und ich habe erfahren das ich im März einen ganzen Monat lang Ferien haben werde. Das wird ein tolles Geburtstagsgeschenk. Am Ende des Tages waren alle furchtbar glücklich und wir sind lächelnd die Straße entlang wieder nach Hause gelaufen. Mercedes und ich treffen uns vielleicht nächste Woche wieder um ein wenig spazieren zu gehen und dann darf ich sie auch fotografieren, heute fühlte sie sich nicht danach, weil sie nicht geschminkt war. Auch mit Olga würde ich mich nächste Woche gerne noch einmal treffen.

 

Den Tag habe ich jetzt mit etwas Wunderbaren abgeschlossen: Ich bin zum ersten Mal in eine japanische Badewanne gestiegen und ich liebe es! Man muss sich vorher duschen und darf in der Badewanne keinen Schmutz oder Schaum hinterlassen. Im Grunde ist sie wie ein gewaltiger Kochtopf für Menschen. Aus Aluminium. Selbst ich, obwohl ich in der Beziehung abgehärtet bin, halte es dort nicht länger als ein paar Minuten aus. Aber diese Minuten sind wundervoll, man fühlt sich wieder geborgen wie ein Embryo in Mamas Bauch und wenn man aus der Wanne steigt, dann lächelt man glücklich vor sich hin und ich lächle immer noch.

 

Das war es dann heute erst einmal von mir. Was die Fotos betrifft, achtet nicht allzu sehr auf meine Körperhaltung – Ich kämpfe im Augenblick mit Rückenschmerzen, weil ich zu lange gelesen habe und es ist echt schwer sich irgendwie bequem hinzusetzen beim lesen und dazu kommt noch Muskelkater. Ich habe das gestern echt durchgezogen mit dem Sport und heute auch, das macht mich stolz… Obwohl es so schmerzhaft ist.

 

Bild 1: Ich in unserem Garten, bevor es gestern zum Rotary Club ging.

Bild 2: Ich vor meiner Schule.

31. August

Gestern und Vorgestern zu schreiben war unmöglich für mich. Ich war absolut nicht in der Stimmung etwas Kreatives zu vollbringen, das letzte Buch der „Tribute von Panem“-Trilogie hatte mich in seiner Gewalt. Aber heute früh hab ich es zu Ende gelesen und jetzt kann ich wieder weiter machen.

mini-003Am Donnerstag ging es Vormittag in das Rathaus. So wie ich das verstanden habe, sollte ich wichtige Menschen treffen. Es war der Bürgermeister und als mir das klar wurde, ohrfeigte ich mich selbst innerlich weil ich mich so schlecht auf das Treffen vorbereitet hatte. Letzen Endes war keine Vorbereitung nötig gewesen, aber ich fühlte mich doch ein wenig überrumpelt. Zusammen mit vier Männern von meinem Rotary Club, saßen wir dann mit den Repräsentanten der Stadt in einem kleinen Raum und haben Tee getrunken, umzingelt von Kameraleuten und der örtlichen Presse. Ich habe sogar einen Dolmetscher bekommen, zum ersten Mal in Japan. Es war ja auch ein wichtiger Anlass. Das Treffen dauerte nicht lange. Ich erzählte ein wenig über meine Heimatstadt Plauen und was mir an Japan bis jetzt am meisten gefällt. Nach einer halben Stunde war alles schon vorbei.

 

Und heute schaue ich in die Zeitung und lächle mir selbst entgegen. In den Abendnachrichten werde ich mich wohl auch noch einmal sehen. Ich bin echt begeistert wie viel Rotary in der Beziehung für seine Austauschschüler tut. Es ist umwerfend wie viele Menschen ich schon kennen gelernt habe und wie viele Dinge ich schon gelernt habe.

 

Gestern, am Freitag, ging es für mich noch einmal in meine Schule. Wieder zusammen mit meiner Gastmutter. Mein Klassenlehrer hat uns durch die Schule geführt und sie ist wirklich gewaltig groß. Vier Gebäude, alle so groß wie meine Schule in Deutschland, ein Pool für den Schwimmunterricht, zwei gewaltige Sportplätze und eine Turnhalle, die gleichzeitig als Aula dient. Und die Bibliothek! Da kann unsere echt wegstecken. Man hat mir gleich gesagt, wenn ich den Unterricht gar nicht verstehe, dann kann ich mich auch hier hin verkriechen. Ich werde es erst einmal versuchen, allem zu folgen… Aber ich höre schon wie das bei den anderen Austauschschülern in Japan läuft und ich denke nicht, das bei mir alles wie durch Magie ganz anders ist. Konversation am Esstisch führen und Witze erzählen ist die eine Sache, in der Schule dem Frontalunterricht zu folgen, wo man doch ein Analphabet ist die andere. Ein Mathe Buch habe ich schon bekommen, zumindest die Aufgaben verstehe ich ein wenig. Wie sich das Blatt wendet; in Deutschland habe ich Mathe gehasst, hier ist es neben Englisch wohl das einzige Fach in dem ich tatsächlich etwas leisten kann.

 

Zum Nachmittagstee gab es gestern Kekse – die besten Kekse die ich in meinem ganzen Leben jemals gegessen habe! Tut mir Leid Andrea, deine sind jetzt Platz 2. Aber immer noch Platz 1, wenn es um selbst gemachte Kekse geht! Man konnte zwischen Schokolade und Vanille wählen und sie waren gefüllt mit halbflüssiger Schokolade. Nicht selbst gemacht. Die gibt es hier im Laden zu kaufen, jeder Keks ist einzeln verpackt und hält sich sehr lange frisch. Ein Traum. Mittlerweile kann ich zumindest in meiner Gastfamilie zwischen süßen und nicht süßen Süßigkeiten unterscheiden. Es gibt auch Kekse die nach Fisch schmecken… Beim ersten Mal denkt man sich: Oh Fisch… Und dann trotzdem, isst man sie ein weiteres Mal und man weiß nicht wieso, aber man mag sie.

Meine Gastfamilie hat eine eigene Druckerei. Ist sehr praktisch, denn obwohl sie alle den ganzen Tag arbeiten, sind sie doch nie wirklich weg, sondern einfach im Nachbarhaus. Zum Grundstück gehören drei Häuser und ein großes Feld, sowie der wunderschöne Garten mit dem Koiteich. Haus Nummer 1: Das traditionelle japanische Haus in dem ich zusammen mit meinen Gastgroßeltern wohne. Haus Nummer 2: Die Druckerei in der der Nachmittagstee getrunken wird. Haus Nummer 3: Das Haus, das ich noch nicht betreten habe, in dem meine Gasteltern und meine Gastschwester wohnen. Gestern hat mein Gastvater auf Arbeit Plakate für das Fest des Nagano College of Nursing hergestellt. Meine Gastgroßeltern wollen mit mir zusammen hingehen und ich habe eines der Plakate bekommen.

 

Jetzt ist es gleich um 9 Uhr und ich werde von Itou Masaki abgeholt. Wir fahren zu meiner ersten Rotary Orientation in Japan. Ich freue mich schon darauf Tabea wieder zu sehen und die anderen Austauschschüler aus meinem Distrikt kennen zu lernen. Ich glaube wir sind zwei Deutsche, drei Franzosen und ein Amerikaner. Wahrscheinlich sogar alle Mädchen.

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